Imagine there
(von John Lennon)

 

Imagine there's no heaven,              Stell dir vor es gibt kein Himmelreich,
it's easy if you try,                            es ist leicht es zu versuchen,
No hell below us,                             keine Hölle unter uns,
above us only sky,                            über uns nur Himmel.
Imagine all the people,                     Stell dir vor alle Menschen,
living for today.                                leben für das "heute".

Imagine there's no countries,            Stell dir vor es gibt keine Staaten,
it isn't hard to do,                              es ist nicht schwer es zu tun,
Nothing to kill or die for,                 nichts wofür man morden oder sterben müßte,
and no religion too,                          und auch keine Religion.
Imagine all the people,                     Stell dir vor alle Menschen,
living life in peace.                           leben in Frieden.

You may say I'm a dreamer,             Du wirst vielleicht sagen ich bin ein Träumer
but I'm not the only one,                   aber ich bin nicht der Einzige.
I hope someday you'll join us,          Ich hoffe du wirst dich eines Tages uns anschließen,
and the world will be as one.           und die Welt wird eins sein.

Imagine no possessions,                   Stell dir vor es gibt keinen Besitz,
I wonder if you can,                          ich frag mich ob du das kannst,
No need for greed or hunger,            kein Grund für Gier oder Hunger,
a brotherhood of man,                       alle Menschen wären Brüder
Imagine all the people,                      Stell dir vor alle Menschen,
sharing all the world.                         teilen sich die Welt

You may say I'm a dreamer,              Du wirst vielleicht sagen ich bin ein Träumer
but I'm not the only one,                    aber ich bin nicht der Einzige.
I hope someday you'll join us,           Ich hoffe du wirst dich eines Tages uns anschließen,
and the world will live as one.           Und die Welt wird eins sein.


Hallo, ist das nicht ein schönes Lied, was der John Lennon da geschrieben hat, oder was meinst du? Aber hast du dir eigentlich schon mal folgende Frage gestellt?
Stell dir vor, du stehst eines Tages vor deinem Schöpfer und der schickt dich weder in die Hölle noch in den Himmel! Nein, du wirst wieder auf die Erde zurück geschickt, wobei du selbst dir aussuchen könntest, wie diese beschaffen sein müsste. Vielleicht würdest du gar nicht viel nachdenken und einfach sagen: „Sie sollte so sein, wie es John Lennon in diesem Lied beschrieben hat“.
Aber vielleicht sind spontane Entscheidungen, welche rein aus dem Bauch heraus getätigt werden, nicht immer die Besten! Deshalb würd ich ganz einfach erst mal vorschlagen, du liest dir folgende Kurzgeschichte durch und dann schaun’mer mal weiter.

 

Eine bessere Welt

Stell dir vor, du stehst vor Petrus und hoffst auf Einlass in den Himmel. Vielleicht erwartest du, gemäß volkstümlicher religiöser Vorstellungen, dass er dir nun all deine guten und schlechten Taten vorlesen wird und es sich dann entscheidet, ob du in den Himmel oder in die Hölle kommst.  Da hast du dich aber gründlich getäuscht! Denn zu deinem grenzenlosen Erstaunen erhältst du erst einmal einen Vortrag über moderne Physik! Darin erfährst du, dass das eine Universum, in dem du gelebt hast, nicht das Einzige ist, sondern dass es eine unendliche Anzahl unvorstellbar großer Universen gibt, weil sich ständig Paralleluniveren abspalten. Als zum Beispiel im 1. Weltkrieg eine Gewehrkugel den Gefreiten Adolf Hitler nur knapp verfehlte, bildeten sich sofort Paralleluniversen, in denen er tödlich getroffen wurde und so die Geschichte der Menschheit vollkommen anders verlief.
Und nun eröffnet dir Petrus, dass er deine Seele auf eine kleine Zeitreise schicken wird und du also 500 Jahre später noch einmal auf dem Planeten Erde wieder geboren wirst. Und du kannst dir dein Universum selbst aussuchen. Das ist ja toll, denkst du dir und meinst du könntest dir jetzt so einfach eine Welt aussuchen, in der die Menschheit all ihre Probleme gelöst hat! Doch du irrst dich schon wieder, wenn du glaubst, Petrus würde dir nun einige Entwicklungslinien vorführen und dich anschließend fragen: "Welches Universum hätten's denn gern?" und du nur mit dem Finger auf Eines deuten bräuchtest und anschließend sagen: "Des da bittschön". Stattdessen verlangt er von dir eine detaillierte Beschreibung, wie deine künftige Welt nach deinem Geschmack aussehen sollte. Daraufhin erklärst du Petrus vielleicht, dass es in deiner Welt keinen Hunger, keine Überbevölkerung und keine Kriege geben sollte. Und du möchtest in einer sauberen Umwelt leben, in der sich alle Menschen bester Gesundheit erfreuen. "Das ist mir alles ein wenig zu allgemein gehalten und wenn du mir nicht konkretere Angaben machen kannst, muss ich dir nach dem Zufallsprinzip irgend eine X-beliebige Welt zuweisen und da sind halt auch einige unangenehme Varianten darunter"
Und jetzt stehst du da und bist todtraurig, weil du dir möglicherweise dein Paradies verscherzt hast und das nur deswegen, weil du noch nie darüber nachgedacht hast, wie eine bessere Welt konkret aussehen könnte. Tja, so ist es eben. Vielleicht wird aus der Erde so lange kein angenehmer Ort, wie die meisten Menschen nicht wissen, was sie eigentlich wollen. Vielleicht ist es ja so, dass der liebe Gott uns Menschen niemals ein Paradies schenken wird, einfach deswegen, weil er uns dafür ein leistungsfähiges Gehirn gegeben hat, damit wir uns unseren Himmel auf Erden selbst bereiten können. Sind wir dann nicht selbst schuld, wenn wir unseren Verstand nicht benutzen!
Was hättest du also zu Petrus sagen können? Nehmen wir mal an, du wärst ein ehrlicher und aufrichtiger Kommunist. Dann hättest du ihm zum Beispiel erklären können: "Ich möchte bitteschön eine Erde, auf der die gesamte Menschheit in einem einzigen Staat vereint ist, welcher dafür sorgt, dass in sonnenreichen Gebieten (Wüsten) viele Solarkraftwerke entstehen und in windigen Gegenden viele Windkraftanlagen gebaut werden. Und der Staat sollte für eine gerechte Verteilung dieser Energie auf alle Erdprovinzen sorgen. Und in den Provinzen sollten nicht mehr überwiegend Menschen wohnen, welche eine bestimmte Hautfarbe, Sprache oder Religion besitzen, sondern sich nach politischen Interessensgemeinschaften ordnen. Zum Beispiel sollten in der kommunistischen Provinz nur Menschen wohnen, welche sich weder ausbeuten lassen wollen, noch selbst ausbeuten wollen, während in den kapitalistischen Provinzen Ausbeuter und Ausgebeutete friedlich und harmonisch zusammen leben können. Und wenn's vielleicht noch möglich wär, so würd ich von Anbeginn meines Lebens nichts mit Ausbeutung zu tun haben wollen, weder aktiv noch passiv.“  Darauf hin könnte Petrus entgegnen: "Mensch, du hast vielleicht Vorstellungen. Ich weiß gar nicht, ob wir so eine Entwicklungslinie überhaupt in unserem Sortiment führen. Da muss ich erst mal nachschauen". Und nach einer kurzen Pause könnte er sagen: "Ja, ich glaub, da hätt ich was für dich." Und im nächsten Augenblick erblickst du schon das Licht der Welt in einem Kreißsaal irgendwo in der kommunistischen Provinz auf dem Planeten Erde.
Und zum Abschluss kriegst du noch eine kleine Rätselaufgabe. Überall auf der Erde sind folgende elektronische Anzeigetafeln aufgestellt. Welche beiden Zahlen ändern sich, wenn deine Geburt behördlich registriert wird ?  
    

Provinzname
Einwohnerzahl
durchschnittlicher Zugang(Abgang) pro Jahr
Anteil an der Gesamtbevölkerung
Sitze im Zentralparlament von Terra
Pluralistische Provinz
814 195 299
-23 824
30,0%
300 Sitze
Marktwirtschaftlich orientierte Provinz
771 201 488
+14 653
28,4%

284 Sitze

Sozialdemokratische Provinz
742 017 469
+14 098
27,3%

273 Sitze

Kommunistische Provinz
155 852 566
+2 961
5,7%

57 Sitze

Autofreie Provinz
91 361 849
+1 736
3,4%
34 Sitze
Anarchistische Provinz
59 116 490
+1 123
2,2%
22 Sitze
Ökologisch landwirtschaftliche Provinz
49 592 675
+942
1,8%
18 Sitze
Feministische Provinz (Amazonenprovinz)
31 723 759
-17
1,2%
12 Sitze

Gesamtbevölkerung
2 715 061 595
+11 672
100,0%

1000 Sitze

Bevölkerungsrichtwert
3 000 000 000

Genau, du bist ein kluges Mädchen (oder auch schlaues Kerlchen). Natürlich hat die kommunistische Provinz jetzt 155 852 567 Einwohner und die Weltbevölkerung ist auf 2 715 061  596 Einwohner angewachsen, wenn Petrus deine Seele frei gibt. Das dürfte allerdings nicht besonders auffallen. Denn du kannst dir ja vorstellen, dass bei einer Bevölkerung von 3 Milliarden die Zahlenwerte sich sehr schnell ändern, wenn ständig irgendjemand geboren wird oder stirbt oder umzieht.
 
                                                

Weiter im Text


So, hat dir diese kleine Geschichte nun gefallen und kannst du dir denken, worauf ich hinaus will?

Imagine there's no countries,            Stell dir vor es gibt keine Staaten,

Na ja, vielleicht wär’s doch gut, wenn zumindest ein Staat auf unserer Erde existieren würde, denn wie sonst wollte man eine wirklich sinnvolle, globale und umweltfreundliche Energieversorgung organisieren, geschweige denn Provinzen einzurichten, wo die Menschen nach ihrer Facon selig werden können, oder

Imagine no possessions,                   Stell dir vor es gibt keinen Besitz,

Also so ganz ohne Besitz möchte wohl kaum einer leben, aber einige Menschen wurmt es doch gewaltig, dass manche Menschen viel mehr haben als sie selbst. Vielen Menschen (zumindest in den reicheren Industrienationen) allerdings ist es aber völlig egal, dass Andere viel mehr besitzen, als sie selbst. Scheinbar gibt es wohl nicht nur Konflikte zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, wie es uns ein gewisser Karl Marx weismachen wollte, sondern auch zwischen denjenigen, welche ausgebeutet werden wollen(oder auch selbst ausbeuten wollen) und denen, welche das nicht wollen!
Und dann gibt es ja zum Beispiel auch noch solche, die jede staatliche Gewalt ablehnen und teilweise sogar noch meinen, mehr Gerechtigkeit  könne man durch vollkommene Gesetzlosigkeit erreichen. Na gut, dann sollen sie uns doch zeigen, wie das gehen soll und wir richten für sie eine anarchstische Provinz ein.

Imagine all the people,                     Stell dir vor alle Menschen,
living life in peace.                           leben in Frieden.

Na ja, schön wär’s, aber du siehst ja, dass allein schon wegen der vielen politischen Geschmacksrichtungen es den Menschen unheimlich schwer fällt, sich zu vertragen. Und zu allem Überfluss gibt es dann auch noch so viele verschiedene Völker mit unterschiedlichen Kulturen. Ja und dieses Wohlstandsgefälle in der Welt kann auch ganz schön frusten, vor allem wenn man ein Einwohner eines sogenannten Entwicklungslandes ist. Wie soll da jemals Friede einkehren, bei so viel Konfliktpotential.
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Man müsste diese Konfliktpotentiale aus der Welt schaffen!

Nehmen wir doch einfach mal die verschiedenen Kulturen und das Wohlstandsgefälle. Da könnte ich mir vorstellen, dass sich dieses Problem mit dem Ende des „technologischen Windhauchs“ von selbst erledigt!
Was ist denn das für ein komischer Begriff wirst du dich jetzt vielleicht fragen. Deswegen muss ich jetzt ein klein wenig abschweifen und erst mal erklären, was das sein soll.

 

Der technologische Windhauch

Jede technologische Neuentwicklung sei durch einen Pixel symbolisiert.

Wir leben also in einer extrem kurzen (wenige Jahrhunderte dauernden) Übergangszeit, welcher nur einen Windhauch in der Menschheitsgeschichte darstellt. Danach werden die Naturgesetze kaum noch technologische Neuerungen erlauben. Ein Kommunist könnte den technologischen Windhauch nun so interpretieren:


Allerdings, was ist, wenn nur ein kleiner Teil der Menschheit wirklich in einer gerechteren Gesellschaft leben will, wie beispielsweise in obiger kleiner Kurzgeschichte (eine bessere Welt)?

Imagine                                       Stell dir vor

du kaufst dir einen Computer und der veraltet nicht mehr! Denn man hat in Zukunft gelernt, Moleküle und Atome als Bits zu verwenden und kleinere Speichereinheiten gibt es eben nicht, weil uns die Natur da Grenzen gesetzt hat.

And now imagine                     und jetzt stell dir noch vor

In allen Bereichen der Technologie ist man an die Grenzen der Naturgesetze gestoßen. Das heißt, es sind kaum noch technologische Neuentwicklungen möglich. Du kannst also deinen Computer locker nach ein paar Jahrzehnten an deinen Enkel vererben und ihm auch erklären wie der funktioniert. Kannst du dir eine solche stabilere Welt vorstellen, in der es normal ist, dass Enkel wieder was von ihren Grosseltern lernen können und nicht umgekehrt?
Das könnte doch bedeuten, dass wir momentan nur in einer extrem kurzen Übergangsphase (also wenige Jahrhunderte) leben, also einem kurzen turbulenten Windhauch, ähnlich wie bei einer zuschlagenden Tür, wobei der Luftzug nur einen kurzen Übergang darstellt, welcher von einem stabileren (offene Tür) zu einem anderen stabileren Zustand(geschlossene Tür) führt. Bezogen auf die Geschichte der Menschheit hat dieser Hauch im 18.Jahrhundert mit der Erfindung der Dampfmaschine begonnen und wird meiner Meinung nach noch vor dem Jahr 2300 enden, also wohl keine 500 Jahre dauern. Und 500 Jahre sind wirklich nur ein kurzer Hauch, verglichen mit den 100 000 bis 200 000 Jahren, in denen der anatomisch moderne Mensch schon existiert!

Vielleicht mag dir an dieser Stelle auch der Gedanke kommen, dass dies wohl eine gefährliche Übergangszeit sein könnte und man mit Hilfe, noch zu erwartender neuer Technologien, durchaus auch das Ende des „intelligenten Lebens“ auf der Erde herbeiführen könnte. Das mag ja sein und ich könnte mir schon vorstellen, dass es auch anderes „intelligentes Leben“ im Weltall gibt. Und nicht nur die Menschheit, nein jede dieser Spezies wird wohl den technologischen Windhauch mitmachen müssen. Ja man könnte sogar soweit gehen, diesen als Bewährungsprobe anzusehen, welche wohl nicht jede Species überstehen wird. Aber muss denn die Menschheit auch unbedingt zu diesen kosmischen Loosern dazugehören?
Also seien wir mal ganz einfach optimistisch, und nehmen wir an, wir überstehen diese Zeit. Alle Völker der Erde haben dann den gleichen technologischen Standard und kein Land kann mehr einen entscheidenden Vorsprung herausarbeiten.
Man könnte es auch so sehen: Alle Völker nehmen an einem technologischen Wettlauf teil, doch irgendwann wird sich vor der Menschheit eine Barriere aus Naturgesetzen auftun. Und wenn auch einige Völker zeitweise einen scheinbar unaufholbaren Vorsprung herausgearbeitet haben, so wird der Wettlauf doch zwangsläufig unentschieden enden müssen, weil er in einer Sackgasse enden muss.

                                     

Weiter im Text

Can you imagine                          Kannst du dir vorstellen

dass bei diesem künftigen Überangebot an Technik kulturelle Unterschiede überhaupt noch eine Rolle spielen könnten? Benutzen wir denn nicht jetzt schon alle dieselben Handies, dieselben Computer, dasselbe Internet, fahren alle dieselben Autos, tragen alle dieselben Jeans und noch vieles mehr? Wäre es denn da nicht erstrebenswert, wenn diese kulturelle Entwurzelung noch viel weiter fortschreiten würde, so dass wir uns endlich als eine Menschheit fühlen können, welche einen Planeten bewohnt, und die sich dann völlig neu orientieren kann!
Verstehst du nun so ungefähr, worauf ich eigentlich hinaus will? Warum sollten sich denn beispielsweise ein arabischer und ein jüdischer Ökobauer bekämpfenen. Könnte nicht eines Tages eine Welt möglich sein, wo beide die Möglichkeit haben, sich zu entscheiden, ein einfacheres Leben im Einklang mit der Natur zu führen, ohne dieses Überangebot an Technik, also beispielsweise ein Leben in der ökologisch landwirtschaftlichen Provinz. Könnte denn nicht kulturelle Entwurzelung in eine allgemeine positive Neuorientierung münden?

You may say I'm a dreamer,             Du wirst vielleicht sagen ich bin ein Träumer
but I'm not the only one,                   aber ich bin nicht der Einzige.

 

Also, ich hab mir jetzt Folgendes gedacht

Ich hab mir da seit einigen Jahren eine kleine Geschichte zusammengebastelt. Die handelt auf einem fernen Planeten, wo es auch „intelligentes Leben“ gibt. Auch die stecken mitten drin im technologischen Windhauch und irgendwie schaffen sie es dann, dass nur noch Tausend Menschen (von ursprünglich 13 Milliarden) auf ihrem Heimatplaneten leben.
Doch im Gegensatz zu den sonst üblichen Endzeitfantasien, welche man in Kino und Fernsehen erleben kann, beschließen die letzten Überlebenden einen sinnvollen Neustart für sich und ihre Nachkommen und das Ganze führt dann 700 Jahre später zu einem politischen System, welche ich in meiner obigen Kurzgeschichte angedeutet habe.
Jetzt ist es halt leider so, dass ich vielleicht ganz gut bin, im Erkennen von Zusammenhängen und Ausdenken neuer Welten. Doch um eine wirklich schöne und spannende Geschichte zu schreiben, braucht man nicht nur logische Fantasie sondern auch literarische Fantasie. Und von Letzterem hab ich leider viel zu wenig, fürchte ich.

Und so richte ich mal ein Gästebuch ein. Da kannst du deine Meinung zu meinen Gedanken äußern und auch Anregungen und Kritiken rein schreiben. Vielleicht hast du auch eine Idee für eine bestimmte Provinz. Die „Wahlergebnisse“ kann man ja durchaus noch ein wenig manipulieren. Vielleicht fällt dir ja auch, im Gegensatz zu mir, eine schöne Geschichte zu dieser Welt ein. Denkbar wär zum Beispiel die Geschichte einer Amazonentochter, welche ihrer Mutter davon läuft, um in einer anderen Provinz ihre große Liebe zu finden.

Ich hab mir eventuell gedacht, dass man ein kleines Taschenbüchlein herausbringt, welches zwei Teile von zwei verschiedenen Autoren hat.

Teil 1 soll mit einer Geschichte anfangen. Meine Umzugsidee am Anfang ist da vielleicht nicht schlecht, da hat der Leser gleich am Anfang einen Eindruck von dieser neuen Welt, muss aber nicht unbedingt sein.
Teil 2 würde dann auf die historische und politische Entwicklung des Planeten Beta eingehen und der wär dann logischerweise von mir. Von diesem Teil liegt ja schon ein vorläufiger Entwurf vor. Der schließt sich direkt an diesen Text an.

 

 

 

 

 

 

 

Die Geburt einer kosmischen Intelligenz

Es zieht jemand um

Nehmen wir mal an, irgendwo da draußen gibt es einen Planeten mit dem Namen Beta, auf dem intelligente Wesen leben,die uns Menschen auf dem Planeten Terra durchaus ähnlich sind. Dort wohnt auch ein junger Mann, nennen wir ihn mal Heron. Er hat gerade seine Schulausbildung abgeschlossen und ist bald volljährig. Das heißt, er kann dann selber wählen. Aber eigentlich wusste Heron schon als Kind ganz genau, was er später einmal wollte. Seit er nämlich denken kann, haben ihn immer schon die unendlichen Weiten des Weltalls fasziniert. Daher möchte Heron zu jenen gehören, die die Geburt einer kosmischen Intelligenz vorbereiten. Diese Menschen sind in der Provinz der Exodus-Partei versammelt. Noch lebt ja der größte Teil von ihnen auf dem Betaboden. Aber man hofft, dass der Bau von riesigen Raumstationen schon in wenigen Jahrhunderten so weit fortgeschritten ist, dass jeder dieser Provinzbewohner im Weltall leben kann. Für den Bau solcher Stationen braucht man allerdings Roboter, welche möglichst unabhängig vom Menschen arbeiten können. Aber noch ist die technische Entwicklung auf Beta nicht so weit. Denn bis jetzt sind all diese künstlichen Arbeiter, welche auf riesigen Baustellen im Weltall tätig sind, noch auf ein Mindestmaß an menschlicher Fernsteuerung angewiesen. Daher möchte Heron ein Kybernetikstudium absolvieren, um sich dann später an der Entwicklung von intelligenten Robotern zu beteiligen.
Er freut sich schon auf den Tag, an dem er selber wählen kann. Noch wohnt er ja zusammen mit seinen Eltern in der pluralistischen Provinz, wo es noch Mehrparteienparlamente gibt, wie vor dem großen politischen Umbruch etwa 250 Jahre vorher. Doch endlich ist der heiß ersehnte Tag da. Der Abschied von den Eltern fällt zwar schwer, aber man kann sich ja jederzeit gegenseitig besuchen. Undurchlässige Grenzen gibt es schließlich seit etwa Tausend Jahren nicht mehr.
Eine staatliche Speditionsfirma packt zunächst einmal seine Sachen in einen Container und stellt diesen vor einem Studentenwohnheim in der Exodusprovinz ab. Dieser Transport ist dank Artikel 2 der Verfassung von Beta fast kostenlos. So kann Heron zuerst einmal das Wahlamt in seiner neuen Heimatstadt aufsuchen. Dort gibt eine Angestellte seine Daten in den Computer ein. Danach bestätigt Heron selber mit der ENTER-Taste und sieht dabei auf einem anderen großen Bildschirm, wie sich das Wahlergebnis geändert hat. Die pluralistische Provinz hat nämlich in diesem Moment einen Einwohner weniger und die Exodus-Provinz einen mehr.
Die sich ständig ändernden Wahlergebnisse sind natürlich auf ganz Beta öffentlich zugänglich, so dass auch Herons Eltern eventuell live den Tastendruck ihres Sohnes im Internet mitverfolgen können. Das Ergebnis könnte in etwa so aussehen:

 

Provinzname
Einwohnerzahl
durchschnittlicher Zugang(Abgang) pro Jahr
Anteil an der Gesamtbevölkerung
Sitze im Zentralparlament von Beta
Pluralistische Provinz
814 195 299
-23 824
30,0%
300 Sitze
Marktwirtschaftlich orientierte Provinz
771 201 488
+14 653
28,4%

284 Sitze

Sozialdemokratische Provinz
742 017 469
+14 098
27,3%

273 Sitze

Kommunistische Provinz
155 852 566
+2 961
5,7%
57 Sitze
Autofreie Provinz
91 361 849
+1 736
3,4%

34 Sitze

Provinz der Exoduspartei
59 116 490
+1 123
2,2%
22 Sitze
Ökologisch landwirtschaftliche Provinz
49 592 675
+942
1,8%
18 Sitze
Feministische Provinz (Amazonenprovinz)   
31 723 759
- 17
1,2%

12 Sitze


Gesamtbevölkerung
2 715 061 595
+11 672
100,0%

1000 Sitze

Bevölkerungsrichtwert
3 000 000 000

 

Das politische System Beta's

Das gemischtparteiliche Zentralparlament von Beta regelt nur globale, also grenzüberschreitende Angelegenheiten, während in den Parlamenten der weitgehend autonomen Parteiprovinzen (mit Ausnahme der pluralistischen Provinz) nur Mitglieder einer einzigen Partei beraten. Alle paar Jahrhunderte müssen wohl einige Grenzen neu gezogen werden, da Parteiprovinzfläche und Einwohnerzahl möglichst proportional zueinander sein sollten. Durch aktuelle Trendrechnungen kann man sich allerdings leicht ausrechnen, wann dies in etwa der Fall sein wird. Außerdem wird eine Änderung erst 30 Jahre nach dem Beschluss der Grenzkommission vollzogen. Die betroffenen Bewohner haben in diesem Falle also genug Bedenkzeit um etwa die Herrschaft einer anderen Partei zu akzeptieren oder umzuziehen.

Der Gedanke an Grenzen, welche über Jahrhunderte stabil bleiben, mag einem terranischen Leser völlig fremd erscheinen. Betaner allerdings denken ganz anders. Sie wissen, dass ihr Planet noch viele Jahrmillionen bewohnbar sein wird. Und man glaubt auch an Gott  Und dieser Gott hat den Betanern ein leistungsfähiges Gehirn geschenkt, mit dessen Hilfe sie nicht nur allerlei technische Wunderwerke schaffen können. Nein, wenn man diesen Verstand auch noch richtig einsetzt, und Wissenschaft und Technik ausschließlich zum Wohle der Menschen benutzt, sind auch gewaltige politische und gesellschaftliche Fortschritte möglich. Wieviel Technik der Mensch allerdings zum Glücklichsein benötigt, entscheiden die einzelnen Provinzregierungen, beziehungsweise letztendlich die Menschen selbst. So ist man schließlich in der Lage, den Planeten Beta fast in ein Paradies zu verwandeln. Während also viele Terraner denken: "Lieber Gott, unsere Welt ist ein Jammertal, bitte schenk du uns ein Paradies im Jenseits" , wäre ein solches Gedankengut auf Beta geradezu Gotteslästerung! Dort glaubt man nämlich, daß Gott spricht: "Ihr Menschen seid intelligent genug, um euch den Himmel auf Beta selber zu schaffen. Also tut es gefälligst!".
Auf Beta glauben die meisten Menschen nämlich an die ständige Widergeburt von Menschenseelen. Deswegen ist es dort den Politikern auch möglich, oft bis zu Jahrhunderten im Voraus zu planen. Beta's Wähler wissen das zu nämlich zu würdigen. Man könnte schließlich bei späteren Widergeburten durchaus von dieser Politik profitieren. Auf Terra ist solches Gedankengut noch völlig unbekannt.
"Religion ist Opium für das Volk" hatte einmal der Begründer der kommunistischen Lehre auf Terra behauptet. Damit meinte er wohl, daß man sich lieber auf ein Paradies nach dem Tode vertrösten läßt, anstatt mit voller Kraft für eine bessere Welt im Diesseits zu kämpfen. Für Betaner allerdings (natürlich einschließlich der Kommunisten) ist der Widergeburtsglaube geradezu ein Aufputschmittel, das sie stark macht im Kampf für eine bessere Welt.
Sieht man nun Beta's politische Entwicklung nicht mit terranischen Augen, sondern mit einem betanischen Zeitrafferblick, so ergibt sich das Bild einer politischen Evolution. Denn genau so wie bei der biologischen Evolution das Individuum gar nichts davon bemerkt, daß die Arten sich ständig wandeln, genau so wenig bekommt der einzelne Betaner mit, dass die Provinzgrenzen immer wieder neu gezogen werden. Denn nur sehr selten passiert es, dass ein Betaner in seiner kurzen Lebensspanne einmal eine Grenzänderung erlebt. Wenn man das politische Geschehen allerdings einige zigtausende Jahre lang beobachtet, so kann man sehen, wie Provinzen, welche eine "gute" Politik betreiben, sich langsam vergrößern, während andere irgendwann einmal vom Betaboden verschwinden.
Einige Dinge haben Betaner und Terraner allerdings auch gemeinsam, zum Beispiel die politische Gleichgültigkeit. Das heißt, im allgemeinen gewöhnen sich die meisten Betaner an die Provinz, in die sie hinein geboren wurden und denken sich: "Was meine Eltern für mich gewählt haben, ist auch gut für mich. Warum sollte ich also auswandern?"  Daß die meisten Menschen in der Regel doch in der Provinz bleiben, in die sie hinein geboren wurden, kann man im Übrigen auch an den Wahlergebnissen erkennen (Spalte: Zu-,Abgang). Um jedoch den Prozess einer langfristigen politischen Evolution aufrecht zu erhalten, muß ja immer nur ein kleiner Teil der Betaner anders wählen als die Eltern, so wie zum Beispiel Heron.

Rückblende (1000 Jahre vorher) Beta's Apokalypse und Orgon's Rede

Wie konnte es nun überhaupt zu einer solchen Welt kommen. Sind denn etwa Betaner völlig andere Wesen als Terraner?  Die Antwort lautet: "Nein". Gehen wir doch einfach mal tausend Jahre in der Geschichte des Planeten zurück. Zu jener Zeit wurden die Grenzen nämlich noch wesentlich häufiger geändert, wobei die Menschen dann oft gewaltsam vertrieben oder gar getötet wurden. Es herrschten also durchaus Zustände wie auf Terra.  Das war ja auch dann der Grund für die große Katastrophe Tausend Jahre vor Herons Zeit. Die Massenvernichtungswaffen wurden immer raffinierter und so kam es schließlich, wie es kommen mußte. Die Menschen rotteten sich fast selber aus, weil durch chemische Waffen die Böden so verseucht wurden, daß die Landwirtschaft die Menschen nicht mehr mit Nahrung versorgen konnte. Es waren nur noch wenige Tausend am Leben, da war die Wissenschaft dann endlich in der Lage, mit Hilfe der Nanotechnologie künstliche Nahrung herzustellen. Nur eintausend Menschen aus allen Kontinenten gelang es aber noch mit letzter Mühe, diese Nanofabrik zu erreichen. Das Zeug schmeckte zwar erst mal fürchterlich, aber was tut man nicht alles fürs Überleben.
Nachdem man den ersten Schock verdaut hatte, begann man damit, sich zu überlegen, was man denn auf dem Planeten eigentlich falsch gemacht hatte  Denn Eines war ja wohl klar: Wenn von ursprünglich 13 Milliarden Einwohnern nur noch Eintausend übrig waren, muß wohl irgendwas schief gelaufen sein, aber was?  So begann man also mit einer Vergangenheitsbewältigung. Diese artete allerdings sehr schnell zu einem heftigen Streit aus, denn jeder hatte eine völlig andere Theorie über die Ursache der großen Katastrophe, und so war schon drauf und dran, die Ausrottung  "intelligenten" Lebens auf Beta vollständig zu Ende zu bringen, bis schließlich ein Mann namens Orgon dazwischen trat und schrie: "Hört auf zu streiten ,verdammt noch mal, ich kann euch in wenigen Worten sagen, was wir falsch gemacht haben. Wir haben nämlich unseren Kindern niemals elementare Logik vermittelt!".  Die Zuhörer waren nun schon ein wenig erstaunt und so wurde er gefragt, wie er das eigentlich meinte.

"Babytauschparadoxon" ist einer der vielen Gründe für Beta's Katastrophe!!!

Darauf entgegnete Orgon: "Ich geb euch mal folgendes Beispiel: Volk A und Volk B sind miteinander verfeindet. Zufälligerweise liegen eine Mutter aus Volk A und eine Mutter aus Volk B im selben Krankenhaus und bekommen zur selben Zeit ein Kind. Nun werden aus Versehen die Baby's vertauscht! Also lernt das Kind der B-Mutter, welches beim A-Volk aufwächst, alle B's wären seine Feinde. Würde es bei seiner leiblichen Mutter aufwachsen, so lernte es, alle A's wären seine Feinde. Analog dazu lernt das leibliche Kind der A-Mutter alle A's wären seine Feinde. Hätte man es nicht vertauscht, so wäre es als Erwachsener wahrscheinlich fest davon überzeugt, alle B's wären seine Feinde! Und nun frage ich euch, warum bringt man seinen Kindern ständig solchen Unsinn bei und warum haben diese Kinder dann als Erwachsene anscheinend nicht die nötige Intelligenz, um zu erkennen, wer hier eigentlich wessen Feind ist? Soll ich es euch verraten? Nun, das Kind möchte von seinem sozialen Umfeld angenommen werden und dazu ist es nötig, so zu denken wie seine Umgebung. Um aber überhaupt so denken zu können wie die Anderen, muß es elementare Gehirnfunktionen abschalten! Denn daß Menschen, die sich zum größten Teil gar nicht einmal persönlich kennen, miteinander verfeindet sein könnten, ist doch so elementarer Unsinn, daß man sich selbst schon gewaltige Scheuklappen verpassen muß, um dies nicht zu erkennen. Denn es ist ja wohl offensichtlich so, daß nicht A's und B's verfeindet sein können, sondern in Wirklichkeit diejenigen Feinde aller vernünftigen Menschen sind, welche ihren Kindern einreden wollen, zwei Völker könnten verfeindet sein."
Hier hielt Orgon kurz inne, um sich seine Zuhörer etwas genauer zu betrachten. In den meisten Gesichtern las er grenzenloses Erstaunen, denn die meisten von ihnen hatten wohl noch niemals jemanden reden hören, der scheinbar so extrem komplexe Zusammenhänge in ganz wenigen und klaren Worten darstellen konnte. Das ermutigte ihn schließlich, mit seiner Rede fort zu fahren:

Orgon fährt mit seiner Rede fort

" Leute seht ihr wie leicht man mit einfachsten Gedankenexperimenten aufzeigen kann, worum es bei so vielen Auseinandersetzungen eigentlich geht, nämlich ganz einfach um Nichts! Und so gibt es scheinbar viele reale Gründe für die Konflikte, welche fast zu unserer Ausrottung geführt hätten, doch ich sage euch, daß man hier mit einfachsten Gedankenexperimenten hätte aufzeigen können, worum es letztendlich wirklich ging, nämlich schlicht und einfach um Nichts! Und nun stellt euch mal vor, es hätte die Möglichkeit gegeben, unseren Kindern von Anfang an elementare Logik zu vermitteln, damit meine ich, ihnen die Fähigkeit zu nehmen, wichtige Gehirnregionen einfach ab zu schalten. Solche Kinder würden sich von ihren Eltern also eher tot prügeln lassen, als daß elementarer Unsinn in ihre Gehirnwindungen eindringen könnte. Und ihr werdet lachen. Eine solche Möglichkeit existiert tatsächlich! Es gibt  ja beim Sport Übungen, welche gezielt alle Muskeln des Körpers beanspruchen, wie zum Beispiel Bauchtanz. Wie wäre es nun, wenn wir in unseren Schulen geistigen Bauchtanz zum Pflichtfach machen würden. Unsere Psychologen haben nämlich vor wenigen Jahrzehnten schon eine Trainingsmethode entwickelt, welche gezielt alle Gehirnregionen anregt. Und das Interessanteste daran ist: Kinder, welche auf diese Art trainiert werden, verlieren die Fähigkeit, ganze Gehirnregionen ab zu schalten und das bis ins hohe Erwachsenenalter! Es ist dann so, als ob sie eine Impfung gegen offensichtlichen Unsinn erhalten hätten, und damit vollkommen resistent gegen jede Art von Gehirnwäsche sind!
Leute, könnt ihr euch überhaupt vorstellen, wie das sein könnte, in einer Welt zu leben, in der die Menschen ihr gesamtes Gehirnpotential nutzen? Dazu habe ich noch folgenden Vergleich parat. Denkt euch mal einen Zug, der auf der Suche nach einer besseren Welt ist. Was aber ist, wenn sich diese bessere Welt irgend wo im Gelände, weit abseits des Schienennetzes befindet. Dann wird doch der Zug sie niemals finden können. Und genau so müßt ihr euch Menschen vorstellen, welche wichtige Gehirnareale einfach abschalten. Solche Menschen benutzen nur die üblichen Denkschienenstränge, welche gerade in Mode sind und sind also so zu sagen Gefangene des Zeitgeistes. Und nun stellt euch mal eine Gesellschaft vor, welche aus Menschen besteht, die gelernt haben, ihr gesamtes Gehirn zu nutzen. Damit meine ich menschliche Geländefahrzeuge, welche ihr gesamtes Gehirnpotential für die Suche nach einer besseren Welt verwenden.
Das wäre dann eine Gemeinschaft, die einen gewaltigen Fantasiezuwachs erhalten hat. Was glaubt ihr, welch fantasievolle Politiker eine fantasievolle Bevölkerung hervor bringen könnte. Und eine Bevölkerung mit Fantasie würde auch viel eher einen fantastischen Vorschlag eines fantasiebegabten Politikers akzeptieren. Bisher war es ja immer so, daß in unseren Demokratien ein Großteil der Bevölkerung immer auf die Unfähigkeit der Politiker geschimpft hat, und das obwohl sie diese ja selbst gewählt haben! Auch das ist ein wunderbares Beispiel für das kollektive Abschalten von Gehirnteilen! Denn warum wählt man überhaupt unfähige Politiker?
Es ist doch in einer parlamentarischen Demokratie so: Bevor jemand ein hohes Amt im Staate übernehmen kann, muß er sich erst mal in der eigenen Partei hoch arbeiten. Und da Parteimitglieder leider auch nur Menschen sind, neigen auch sie zum Abschalten von wichtigen Gehirnteilen. So achtet man nicht immer so genau auf das was jemand sagt, sondern wie er es sagt. Mit anderen Worten heißt das, daß ehrgeizige Führerpersönlichkeiten, welche sich selbst geschickt präsentieren können noch am ehesten die Chance haben, in der Parteihierarchie auf zu steigen. Leider bedeutet das nicht, daß solche Führer immer mit besonderer Kompetenz ausgestattet sind, sondern einfach nur, daß sie ein besonderes Talent zur Machterlangung haben. Und wie ihr wißt, gab es auch schon genug Beispiele in unserer Geschichte dafür, wie sich demokratische Führer zu diktatorischen Führern entwickelt haben.
Welche Eigenschaften sollte aber nun ein kompetenter Politiker haben. Nun, da Demokratie nichts Anderes als Volksherrschaft bedeutet, sollte ein guter Politiker auch so wie das Volk reden können. Und glaubt ja nicht, daß man komplexe wirtschaftliche und politische Themen nicht in einer einfachen Sprache abhandeln könnte. Ganz im Gegenteil, wenn jemand seine Ansichten mit möglichst einfachen Worten darlegen kann, so ist das schon mal ein gutes Zeichen dafür, daß er das, wovon er redet, auch selbst verstanden hat! Oder glaubt ihr denn wirklich, daß Menschen, die möglichst viele Fremdwörter benutzen, auch wirklich so schlau sind, wie sie tun?
Ein guter Politiker sollte auch, wenn er von einem Journalisten gefragt wird, ohne Umschweife auf dessen Frage eingehen und nicht erst so lange um den heißen Brei herum reden, bis man vergessen hat, was er eigentlich gefragt wurde. Leute merkt ihr, wieviel Gehirnpotential bei Wählern und Parteimitgliedern verschüttet sein muß, wenn sie zulassen, daß Politiker in die höchsten Ämter gelangen, welche nicht einmal auf die einfachsten Fragen direkt antworten können?
Nun, so laßt uns denn endlich unseren Kindern elementare Logik vermitteln, auf daß aus künftigen Wählern kompetente und fantasievolle Politiker hervor gehen können. Damit meine ich Politiker, welche auf  Fragen direkt und ehrlich antworten. Damit meine ich Menschen mit hoher Intelligenz, viel Fantasie, einfachster psychischer Struktur und der Fähigkeit, fast ausschließlich in der Sprache des Volkes zu reden. Und glaubt ja nicht, daß sich Einfachheit und Intelligenz widersprechen! Ganz im Gegenteil. Gerade die moderne Gehirnforschung hat ja aufgedeckt, daß die schlauesten Gehirne auch den geringsten Energieumsatz aufweisen und zwar einfach nur deswegen, weil Schlauchsein nichts Anderes bedeutet, als so schnell und einfach wie nur irgendwie möglich zum entscheidenden Punkt zu kommen."
"Du scheinst ja einer der wenigen Menschen zu sein, die gelernt haben, ihr ganzes Gehirn zu benutzen. Hast du denn schon von so einem schlauen Psychologen eine Impfung gegen offensichtlichen Unsinn erhalten?", meldete sich ein Zuhörer zu Wort.
"Nein", entgegnete Orgon und hielt dabei ein kleines Büchlein in die Höhe, "aber ich habe hier eine nette kleine Science-Fiction-Geschichte welche vor etwa 300 Jahren verfaßt wurde. Darin hat sich ein Autor namens  Wielon Gedanken darüber gemacht, wie eine bessere Welt wohl aussehen könnte. Und ich könnte mir vorstellen, daß dieser Wielon schon vor 300 Jahren geistigen Bauchtanz praktiziert hat. Und da ich dieses Buch wohl schon mindestens 10-mal gelesen habe, habe ich wohl einiges von der Denkweise des Autors übernommen. In seiner Geschichte kam er unter anderem zu dem Schluß, daß die Menschheit nur dann eine Zukunft hat, wenn man endlich begreift, daß man eine Menschheit ist, welche auf einem Planeten lebt und es daher nur einen einzigen, den ganzen Planeten umfassenden Staat geben dürfe. Aber Leute, was haltet ihr davon, wenn wir dieses Büchlein erst mal in einigen hundert Exemplaren nachdrucken, damit sich Jeder selbst ein Bild davon machen kann und uns in ein paar Tagen nochmals zu einer Buchbesprechung treffen? Vielleicht können wir ja endlich mal aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und von Anfang an für vernünftige Gesellschaftsordnungen sorgen."

Staatsgründung und Einführunung einer ungewöhnlichen Verfassung

Des vielen Streitens müde löste sich die Versammlung also erst einmal auf, wobei vorher noch ein paar hundert Exemplare von Wielons Science-Fiction-Geschichte verteilt wurde. 10 Tage später kam man nochmals zu einer Versammlung zusammen. Den Vorsitz übernahm wieder einmal Orgon.
"Nun ich hoffe, daß ein Großteil von euch das Buch gelesen hat. Was haltet ihr also davon, wenn wir gleich mit der Staatsgründung beginnen und die Verfassung aus Wielon's Science-Fiction-Geschichte entlehnen?"
Als aus der Menge keinerlei Widerspruch zu hören war, fuhr Orgon fort.: "Beginnen wir doch erst einmal mit der Wahl des Präsidenten. Und wenn ich mich hier so umsehe, bin ich wohl hier noch der Klügste von Allen. Spricht also irgend etwas dagegen, wenn ich gleich mal dieses Amt übernehme?"
Da auch in diesem Moment keinerlei Widerspruch seitens der Zuhorer zu vernehmen war, wurde durch diese etwas merkwürdige Präsidentenwahl zum ersten Mal ein langer Menschheitstraum in der Geschichte des Planeten wahr. Alle Menschen Beta's vereinigten sich zu einem einzigen Staat, wenn es auch zunächst nur Tausend waren.
Präsident Orgon sprach weiter: "Noch sind wir ja nicht so weit, aber wenn wir erst einmal auf eine Milliarde angewachsen sind....".  "Wann sind wir denn so weit" unterbrach ihn einer der Zuhörer.
"Nehmen wir mal an, wir vermehren uns jährlich um 2 Prozent. Und das ist nicht viel! Manche Länder hatten zeitweilig ein Bevölkerungswachstum von 4 Prozent. 2 Prozent Wachstum heißt also nichts Anderes, als daß wir uns jährlich mit dem Faktor 1,02 multiplizieren. So lautet also unsere Rechenaufgabe: Wie oft müssen wir 1000 Menschen mit 1,02 multiplizieren, um auf eine Milliarde zu kommen? Oder anders gefragt: Wie oft muß man 1,02 hintereinander multiplizieren, damit der Faktor eine Million heraus kommt?" Darauf hin zog Orgon einen Taschenrechner hervor: "Das ist im Prinzip ganz einfach: Ich teile einfach den natürlichen Logarithmus von einer Million durch den natürlichen Logarithmus von 1,02 und heraus kommt 697,66. Das heißt, wir könnten die Milliarde durchaus schon in 700 Jahren schaffen! Aber Leute, denkt daran! 700 Jahre sind schnell vorüber und wenn wir uns  dann in den nächsten 700 Jahren nochmal mit 1 Million multiplizieren wollen, haben wir ein Problem. Lasst uns also gleich einmal in die Verfassung schreiben."

Weiter sprach er : "Wenn ich mich so umsehe, dann sind wir ja ein recht buntes Völkergemisch, was hier überlebt hat. Was wir uns also momentan am wenigsten erlauben können, ist rassistisches Denken, denn dann können wir uns ja gleich als ausgestorben betrachten. Denn wie wollen sich dann noch genug Paare finden, um später wieder auf eine Milliarde zu kommen. Aber es ist im allgemeinen für den Gesundheitszustand des Nachwuchses sowieso besser, wenn die Eltern möglichst unterschiedliche Genkombinationen haben. Der nächste Punkt für die Verfassung sollte also lauten:"

Weiter sprach er: "Ich glaube nicht, daß der liebe Gott jetzt noch irgendeinen Wert darauf legt, von uns verehrt zu werden, nachdem er sich das mit ansehen mußte. Ein besseres Jenseits können wir uns deshalb wohl auch abschminken. Also müssen wir uns unser Paradies wohl selber schaffen. Laßt uns daher lieber an die Widergeburt glauben, dann wird aus dem Jenseits ein Diesseits. Dann sind wir alle von Anfang an vielleicht ein wenig besser motiviert"

 
Weiter im Text: "Wir werden also in den nächsten 700 Jahren wachsen und uns mehren und neue Provinzen werden entstehen. Leider liegen noch überall auf dem Planeten High-Tech-Waffen herum. So könnte vielleicht jemand auf die Idee kommen, diese Waffen zu benutzen um einen unabhängigen Staat zu gründen. Dann sind wir bald wieder da, wo wir jetzt stehen. Also würde ich vorschlagen, daß wir möglichst bald Waffeninspekteure losschicken, die diese Waffen überall aufspüren und vernichten. Der nächste Artikel lautet also:

"Allerdings fände ich es ganz sinnvoll, wenn wir diese Waffen nicht vollständig vernichten, sondern die Armee der Zentralregierung damit ausrüsten. Man weiß ja nie, ob wir nicht doch einmal dazu gezwungen sein werden, diese Verfassung und die Einheit der Menschen auf unserem Planeten zu schützen. Dabei sollte auch strengstens darauf geachtet werden, daß nur demokratisch gesinnte Menschen in diese Armee aufgenommen werden. Zumindest sollte nur derjenige eine Offizierslaufbahn einschlagen können, der sein schriftliches Einverständnis dazu gibt, sich von extra geschulten Psychologen mit Hilfe von Lügendetektoren genauestens in dieser Hinsicht untersuchen zu lassen. Wenn er nicht dazu bereit ist, beziehungsweise auch nur der leiseste Verdacht an einer humanistisch demokratischen Gesinnung besteht, so muß er sich eben einen anderen Beruf erwählen. Das mag vielleicht auf den ersen Blick nicht besonders human klingen, aber ich finde schon, daß man in dieser Hinsicht lieber ein wenig vorsichtig sein sollte, schließlich sollen diese Leute ja das Monopol haben, mit Kriegsgerät umzugehen und wenn wir uns da die falschen Leute aussuchen, könnte sich die Geschichte unserer Vergangenheit leicht noch einmal widerholen und das wollen wir doch wohl alle nicht, oder ?
So können wir also hoffentlich schon von Anfang an jeden Krieg im Keim ersticken, aber was wir sicher nicht verhindern werden können, das ist der Parteienstreit. Und das kann für manchen schon frustrierend sein, wenn er sich ständig von Parteien regieren lassen muß, die er nicht gewählt hat. Vielleicht hat ja manchmal einer von uns eine ganz gute Idee, die er aber nach dem alten politischen System nie wird verwirklichen können, weil er nicht genug Anhänger hat. Im neuen politischen System wird er diese Möglichkeit haben. Nehmen wir nur mal folgendes Beispiel. Durch die Einführung schadstofffreier, künstlicher Kohlenwasserstoffe wird es zwar möglich sein, umweltfreundliche Autos zu bauen. Trotzdem würde eine kleine Minderheit von uns lieber in einer autofreien Umgebung leben. In einem herkömmlichen demokratischen System werden sie dies allerdings niemals durchsetzen können, weil sie wahrscheinlich immer und überall eine Minderheit bleiben werden. Überspitzt formuliert könnte man auch sagen, eine normale Demokratie ist immer auch eine Mehrheitsdiktatur, da hier zwangsläufig immer Minderheiten von Mehrheiten unterdrückt werden, wie zum Beispiel Autogegner von Autofahrern.
Und um dies zu ändern, würde ich also vorschlagen, daß wir irgendwann einmal den betanischen Staat in Provinzen aufteilen, in denen möglichst viele Menschen die Umgebung vorfinden, die ihrem politischem Geschmack entspricht.
Leute, fällt euch an meinem letzten Satz etwas auf? Jawohl, ich habe bewußt den Ausdruck "politische Meinung" vermieden und ihn durch "politischen Geschmack" ersetzt. Denn ob man zum Beispiel lieber in einer autofreien Umgebung lebt oder nicht, ist doch wohl wirklich nur reine Geschmackssache und über Geschmack läßt sich ja auch bekanntlich nicht streiten.
Laßt uns also Folgendes vornehmen: Wenn wir die Milliarde erreicht haben, bilden wir eine Kommission. Und damit es bei der zukünftigen Landverteilung halbwegs gerecht zugeht, sollten die Parteien dort nicht nach ihrem Stimmenanteil vertreten sein, sondern jede Partei sollte gleich gleich viel (zum Beispiel 10) Sitze in dieser Kommission erhalten. Das ist wichtig, anderenfalls würden nämlich sonst die großen Parteien sämtliche Splitterparteien buchstäblich in die Wüste schicken.
Diese Kommission soll nun so lange beraten, bis eine Zweidrittelmehrheit ihrer Mitglieder einem Landverteilungsplan zustimmt. Und bei der nächsten Wahl zum Zentralparlament entscheidet sich der Wähler nicht mehr nur für ein bestimmtes Parteiprogramm, sondern auch für eine Region, welche für deren Wähler reserviert ist. Das heißt, daß nach einer bestimmten Umstellungszeit sich die Wähler in dieser Provinz nur noch für Kandidaten einer Partei entscheiden können. Will er also dann von einer anderen Partei regiert werden, so muß er in deren Provinz ziehen. Artikel 5 lautet also:"

"Aus naheliegenden Gründen dürfen die Provinzgrenzen nicht stabil bleiben. Denn wenn einer Provinz die Wähler davon laufen  und eine Andere einen ständigen Strom von Zuwanderern erhält, muß auf die Dauer auch die Landfläche der Einen verkleinert und die der Anderen vergrößert werden."

"Wenn im Verlauf der politischen Evolution eine Provinz vom Betaboden zu verschwinden droht, wäre es da nicht sinnvoll deren Gebiet einer nachrückenden Partei zur Verfügung zu stellen, oder anders ausgedrückt? Sollte  es also nicht so sein, daß wenn eine Partei stirbt, eine Andere dafür geboren wird?"

"Bei dem neuen politischen System wählt man eine Partei also nicht nur durch einen Wohnungswechsel, sondern auch schon dadurch, daß man in eine Parteiprovinz hinein geboren wird. Und hier liegt meinen Meinung nach der schwache Punkt bei dem neuen System. Denn es könnte ja eine Partei auf die Idee kommen, Sitze im Zentralparlament nicht durch Zuwanderung, sondern durch Kinderkriegen zu ergattern. Wenn das der Fall ist, muß sich wegen Artikel 1 das Zentralparlament damit befassen."

"Oberflächlich betrachtet könnte man ja meinen, unsere Technikfreaks sind an dem ganzen Unglück schuld, weil sie uns ja erst die ganzen Massenvernichtungsmittel in die Hand gegeben haben. Doch wurden diese Waffen nicht hauptsächlich von Menschen benutzt, die von Technik nur wenig verstehen? Ich glaub, hier braucht keiner von uns auf den Anderen mit dem Finger zu zeigen! Ausserdem werden wir unsere Technikfreaks wahrscheinlich noch brauchen. Denkt doch mal allein an die Gefahr, die aus dem Weltall lauert. Wie wohl die meisten von uns schon mal gehört haben, kam es in der Geschichte  unseres Planeten immer wieder zu Massensterben wegen Killerkometen. Und keiner von uns weiß, wann der nächste Einschlag kommt. Sicher ist allerdings, daß er kommen wird. Wenn wir uns also wirklich langfristig auf diesem Planeten einrichten wollen, müssen wir in der Lage sein, auch dieser Gefahr zu begegnen. Aber ich denke mal, wir können das schaffen. Wenn wir nämlich in den nächsten Jahrhunderten mit dem selben Tempo Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik machen wie vor dem Krieg, dann gelingt es unseren Wissenschaftlern vielleicht auch einmal, riesige,rotierende Raumstationen im schwerelosen Raum zu bauen, wo Menschen dann dauerhaft wohnen können. Dann haben endlich auch weltraumbegeisterte Technikfreaks ein Wahlrecht und die Abwehr von Killerkometen dürfte dann wohl auch kein großes Problem mehr sein.
Vor vielen Millionen Jahren wohnten unsere Vorfahren ja noch im Wasser. Ist ja auch klar, denn in unseren Weltmeeren gab es genug Wasser zu trinken und durch unsere Kiemen konnten wir genug Sauerstoff aufnehmen. Doch dann wagten einige wenige Arten den Sprung vom Wasser aufs Land. Unsere Kiemen wurden nun überflüssig, dafür aber versogte uns die Evolution mit Lungen, mit deren Hilfe wir den Luftsauerstoff atmen konnten. Dort konnte zwar die Wasserversorgung hin und wieder mal zu einem Problem werden, doch wurde diese Aufgabe im Allgemeinen mit Bravour gelöst. Der nächste logische Schritt in der Entwicklung des Lebens wäre doch dann der, daß eine Art es schafft, dort zu leben, wo es weder Sauersoff noch Wasser gibt, also im Weltraum! Man wird wohl daher in Zukunft riesige Raumstationen bauen, in denen künstliche Schwerkraft durch Rotation erzeugt wird. Und in diesen Riesenrädern muß eine perfekte Kreislaufwirtschaft herrschen: Das heißt zum Beispiel auch, daß alle menschlichen Ausscheidungen wieder zu Sauerstoff, Wasser und Nahrung zurückverwandelt werden müssen. Sollte dies eines Tages wirklich gelingen, so wäre dies die Geburtsstunde einer kosmischen Intelligenz. Vielleicht wird ein solcher Schitt ja nicht nur von uns getan. Eventuell werden ja auch alle anderen intelligenten Lebensfofmen im Weltall den selben Schritt tun. Vielleicht wird man sich ja auch eines Tages gegenseitig besuchen können. Leute spürt ihr, wie unwichtig und lächerlich unsere bisherigen Differenzen waren, wenn man die Dinge nicht aus einer nationalen Froschperspektive, sondern einer universalen Vogelperspektive sieht. So laßt uns denn die Geburt einer kosmischen Intellegenz in die Wege leiten, indem wir uns nicht mehr als Angehörige von Nationen oder Rassen fühlen, sondern ganz einfach nur als Betaner.
Doch bleiben wir zunächst einmal auf unserem Planeten."

"Es dürfte wohl noch einige Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dauern, bis sich die Vegetation von unserem Krieg erholt hat. Das heißt, die wenigen widerstandsfähigen Pflanzen, die es auf Beta noch gibt, können kaum genug Sauerstoff erzeugen, als daß wir uns momentan erlauben könnten, größere Mengen davon zu verbrauchen. Also sollten wir uns von Anfang an davor hüten, fossile Brennstoffe zu verwenden. Laßt uns also gleich auf Wind und Solarenergie setzen. Momentan dürfte uns das auch wegen der geringen Bevölkerungszahl keine großen Schwierigkeiten bereiten. Und wenn wir wieder so zahlreich sind, daß Wind und Sonnenenergie nicht mehr ausreichen, ist es eventuell unseren Technikfreaks auch gelungen, ausserbetanische Solarenergie aus dem Weltall zu uns herunter zu leiten. Im Übrigen wäre es vielleicht auch ganz sinnvoll, nicht nur die letzten fossilen Brennstoffe im Boden zu lassen, sondern überhaupt auf jegliche Förderung von Bodenschätzen zu verzichten. Machen wir es doch ganz einfach so wie die Natur es seit Jahrmillionen praktiziert: Fitern wir also Kohlenstoffatome aus der Atmosphäre und verbinden sie mit Wassermolekülen zu den vielfältigsten Werkstoffen! Betreiben wir also künstliche Fotosynthese. Und wenn wir unsere Konsumgüter nicht mehr brauchen, so deponieren wir sie nicht mehr auf Müllhalden, sondern zersetzen sie wieder zu Wasser und geben den Kohlenstoff wieder der Atmosphäre zurück. Den entsprechenden Vorgang bezeichnet man in der Natur übrigens als Atmung 

In den folgenden Artikeln wurden nun noch einige allgemeine Menschenrechte formuliert, die aber hier nicht aufgeführt werden sollen, weil die ja auch in jeder "anständigen" Verfassung des Planeten Terra vorkommen.

"Kommen wir nun zum Schluß meiner Rede. Ich sehe hier Menschen verschiedener Kulturen, die zum Teil auch unterschiedliche Kalender haben. Sollten wir uns nicht einen neuen Kalender geben, der für alle Menschen auf Beta gilt? Was haltet ihr davon, wenn wir den heutigen Tag als den 1. Tag des Jahres 0 feiern und in Zukunft Neujahr und "Tag der Verfassung" auf ein und das selbe Datum fallen? " Es folgte begeisterte Zustimmung.
"Dann würde ich also vorschlagen, daß wir diesen kleinen Vorfall einfach mal vergessen und in Zukunft die Sache besser machen. So laßt uns also jetzt erst mal kräftig feiern. Nanobier für alle ist auch genug da und nach ein paar Flaschen wird das Zeug schon nicht mehr so schlimm schmecken."
Der Präsident wurde beim Wort genommen. So wurde also erst einmal kräftig gefeiert und bei dieser Gelegenheit lernten sich auch Frauen und Männer aus verschiedenen Kulturen kennen und fanden Gefallen aneinander. Dies hatte mitunter auch zur Folge, daß man in jener Nacht auch schon erste konkrete Schritte in Richtung 1 Milliarde Einwohner machte.

Beta hat wieder 100 000 Einwohner

Wir schreiben nun das Jahr 233 und die Bevölkerung von Beta ist inzwischen auf 100 000 angewachsen. Wie schon der 1. Präsident prophezeit hatte, kannten die nachwachsenden Generationen nur künstliche Nahrung und kaum jemand hatte Interesse daran, sich von Pflanzen oder gar von Tieren zu ernähren. Die Kinder und Jugendlichen wurden in der Schule im Fach Geschichte ausgiebig über die Ereignisse vor dem Jahre 0 informiert. „Wer die Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen", wurde ihnen immer wieder eingetrichtert und so sahen es die meisten Jugendlichen auch ein, warum man die Zukunft von Beta von Anfang an vernünftig planen müsse. Außerdem wurde ein neues Schulfach eingeführt, nämlich elementare Logik: Wie weiter oben ja schon erwähnt, ist das nichts Anderes, als intensive Gehirnstimulierung, welches nach einiger Zeit dazu führt, daß man im Wachzustand keine wichtigen Gehirnteile mehr blockieren konnte. Und dies ist im Prinzip nichts Anderes als eine Impfung gegen elementaren Unsinn, und damit das genaue Gegenteil von Gehirnwäsche. Denn bei Gehirnwäsche wird den Menschen entweder Unsinn eingeredet oder wichtige Gehirnteile deaktiviert, welche diesen Unsinn erkennen könnten.

Die 100 000 Menschen wohnten alle noch ziemlich nah beisammen, unter anderem wohl auch deswegen, weil die Zentralregierung ein Monopol auf die Herstellung von Nanonahrung hatte. Es hatte ja zunächst durchaus seinen Sinn, die Menschen etwas in Abhängigkeit zu halten, denn so konnte man das Entstehen von selbstständigen Staaten schon im Keim ersticken. Die Menschen auf Beta wohnten also alle noch mehr oder weniger innerhalb oder in der Nähe einer kleineren Großstadt, namens Metropolis. Mit wachsender Anzahl mußten allerdings immer mehr Windräder und Solaranlagen ausserhalb der Stadt gebaut werden, um deren Energiebedarf zu decken. So beschloß man, auch im Hinblick auf auf die zukünftige Energieversorgung einer Milliardenbevölkerung eine 1.Provinz ausserhalb dieser Stadt zu errichten. Diese sollte am Rande einer großen Wüste liegen, wo die Sonne das ganze Jahr über erbarmungslos vom Himmel brannte.
Zunächst einmal begann man damit, eine Magnetschwebebahn bis zu diesem Ort zu errichten. Damit wurden dann das Baumaterial für die Wohnungen der künftigen Provinzbewohner und nachdem die Wohnungen errichtet wurden, die künftigen Bewohner selbst dort hin gebracht. Diese hatten nun die Aufgabe, Sonnenkraftwerke zu errichten. Denn der Energiebedarf war gerade auch wegen der künstlichen Fotosynthese sehr hoch. Doch dafür konnte man nun mit Hilfe des Kohlenstoffs alle nur erdenklichen, schadstofffreien Werk- und Brennstoffe synthetisieren und niemals mehr brauchte man den Betaboden auf zu reißen, um darin nach Rohstoffen oder fossilen Brennstoffen zu wühlen. 

Beta hat schon 10 Millionen Einwohner

Im Jahre 465 hatte man sich dann noch mal mit dem Faktor 100 multipliziert. Das heißt man konnte die Geburt des 10 Millionsten Einwohner feiern. Neue Provinzen waren nun locker über den ganzen Globus verstreut. Deren Gründungen erfolgten immer nach dem selben Strickmuster. In Gebieten mit viel Wind oder Sonne wurde Strom erzeugt, welcher dann über riesige Überlandleitungen zu den einzelnen Provinzen exportiert wurde. Außerdem waren sämtliche Provinzen und Kraftwerkskomplexe mit einem Netz von Magnetschwebebahnen verbunden So bereiteten globale Reisen keine großen Schwierigkeiten mehr. Das war auch gut so, denn laut Artikel 2 mußte ja ein ständiger Menschenaustausch statt finden und das erreichte man so:
Das Monopol der Nahrungmittelerzeugung hatte die Provinzregierung zwar schon im Jahre 250 aufgegeben, allerdings hielt man eisern am Monopol der Energieerzeugung fest. Das heißt, man konnte für die Bereitstellung von Energie viel mehr Geld von den Provinzen verlangen, als deren Herstellung kostete. Diese Mehreinnahmen, zusammen mit den Steuereinnahmen aus den Provinzen flossen allerdings zum großen Teil wieder als finanzieller Anreiz an auswanderungswillige Provinzbewohner zurück. So waren unter anderem auch Fernreisen mit Magnetschwebebahnen kostenlos. Diese Abhängigkeit von Energie und der ständige Menschenaustausch bewirkten, daß in keiner Provinz irgendwelche ernsthaften Bestrebungen auf Unabhängigkeit (ganz im Sinne von Artikel 4) auftraten.

Endlich gibt es wieder eine Milliarde Einwohner auf Beta

Im Jahre 698 war es dann so weit. Eine Milliarde Betaner gab es nun und hin und wieder wurde es sogar schon ein wenig eng. Denn konnten in den vergangenen Jahrhunderten die locker über den Globus verstreuten Provinzen sich noch ungehindert ausbreiten, so kam es nun schon mal vor, daß ihre Siedlungsgrenzen aneinanderstießen. Früher konnte das durchaus Krieg bedeuten. Aber nun fehlten erstens die Waffen dafür und zweitens konnte eine mächtige Zentralregierung den Streit zweier Provinzen schlichten. In der Regel aber war man durchaus in der Lage, sich auch ohne die Hilfe der Zentralregierung zu einigen. Das lag nicht zuletzt auch daran, daß durch den ständigen Menschenaustausch jeder Nationalstolz fehlte. Stattdessen hatten die Menschen ein globales Gefühl, also Bewohner des Planeten Beta zu sein.
Vor dem großen Krieg bildeten etwa 13 Milliarden Einwohner die Obergrenze des Planeten Beta. Diese Grenze wurde allerdings nicht durch Geburtenkontrolle eingehalten, sondern Kriege, Hungersnöte und Seuchen verhinderten ein weiteres Wachstum. Aus den Fehlern der Vergangenheit wollte man ja nun lernen und so beschloss man im Zentralparlament, einen Bevölkerungsrichtwert einzuführen. Würde dieser überschritten werden, so hätte dies zum Beispiel steuerliche Sanktionen gegenüber kinderreichen Familien zur Folge gehabt.
So wurde also erst einmal eine Volksabstimmung abgehalten. Auf den Stimmzetteln waren 18 Kreuze angebracht, neben denen die Zahlen von 1,5 Milliarden bis 10 Milliarden (in0,5 Milliardenschritten) aufgelistet waren. Etwa 30 Prozent der Betabevölkerung entschied sich für eine dreifache Bevölkerungsdichte, also 3 Milliarden. Da dieser Wert beim bisherigen Bevölkerungswachstum von 2 Prozent jährlich allerdings schon in 55 Jahren erreicht werden würde, mußten nun Maßnahmen erfolgen. Wenn man es aber schaffte, von 2 Prozent innerhalb von 100 Jahren auf ein Nullwachstum zu kommen, so wäre der Richtwert nicht in Gefahr und die betanische Bevölkerung könnte sich endlich auf einen stabilen Wert einpendeln. Erreichen wollte man das Ganze durch die stärkere Besteuerung für kinderreiche Familien.

Beta's Einwohner verteilen sich während einer 90-jährigen Übergangsphase neu

Wegen Artikel 5 mußte nun auch eine Grenzkommission gebildet werden. Von den 8 im Zentralparlament vertretenen Parteien wurden dazu je 10 Mitglieder ernannt. Diese 80 Delegierten hatten keine leichte Aufgabe, denn sie mußten nun einen Plan auszuarbeiten, wie man die ganze bewohnbare Betaoberfläche unter den Parteien aufteilen sollte. Zwar einigte man sich sehr schnell auf zwei Übergangszeiten. Zum einen sollte das neue politische System schrittweise innerhalb von 90 Jahren eingeführt werden. Bei nachträglichen Grenzänderungen (zum Beispiel bei stärkeren Schwanungen bei den Einwohnerzahlen), sollte der Beschluß der Grenzkommission erst nach 30 Jahren wirksam werden. Dieser zweite Übergangswert wurde deswegen erheblich kürzer gewählt, weil sich ja die Bewohner der Grenzgebiete schon erheblich früher auf einen bevor stehenden Machtwechsel einstellen konnten.Denn wegen der jährlichen Zuwanderungs und Abwanderungsbewegungen konnte man sich ja leicht ausrechnen, wann neue politische Verhältnisse zu erwarten wären.
Eine einigermaßen gerechte Landaufteilung allerdings bereitete erheblich mehr Kopfzerbrechen. Doch nach 4 Jahren fruchtloser Beratungen und Abstimmungen, also im Jahr 702 war es dann endlich so weit. 55 Mitglieder stimmten einem Landverteilungsplan zu. Und zwar wurde die gesamte Betaoberfläche in schlauchförmige Provinzen eingeteilt, welche sich von den nördlichen Polarregionen über den Äquator hinaus zu den Südpolarregionen hinzogen. So hatte also jede Provinz in etwa gleichen Anteil an allen Klimazonen des Planeten. Gebiete allerdings, welche für die Energieerzeugung besonders geeignet waren (wie zum Beispiel Wüsten), unterstanden weiterhin der alleinigen Oberhohheit der Zentralregierung, damit diese ihr Monopol auf die Stromerzeugung ausüben konnte.
In den nächsten 90 Jahren gab es zwar offiziell noch gemischtparteiliche Provinzparlamente. Da allerdings schon bei den größeren Parteien ihre Gegner aus deren Provinz langsam auswanderten und die Anhänger einwanderten, wirkte sich das natürlich auch auf die Wahlen aus. Dort spielte die Opposition nach 3-4 Jahrzehnten bald keine nennenswerte Rolle mehr. Bei den kleineren Parteien dauerte dieser Vorgang zwar ein wenig länger. Doch durch ausgeklügelte Subventionen erreichte man schließlich, daß auch in deren Gebieten fast nur Anhänger der jeweiligen Partei wohnten. Das erreichte man unter anderem auch dadurch, daß man zumindest in den ersten Jahrzehnten viele Nichtanhänger (eventuell wohl auch einige Anhänger) mit saftigen Auswanderungsprämien aus den Gebieten der Splitterparteien heraus lockte. So gab es auch dort, etwa 10 Jahre bevor die Übergangszeit zu Ende war, kaum mehr Opposition.
So war es schließlich kein tiefer Einschnitt mehr, als im Jahr 792 die Mischparlamente(welche praktisch schon gar keine mehr waren) endgültig aufgelöst wurden und man in den Provinzen nur mehr Abgeordnete einer Partei wählen konnte. Eine Ausnahme dabei bildete allerdings die pluralistische Provinz, deren Parlamente sich weiterhin aus Vertretern mehrerer Parteien zusammensetzte.
Da nun aber sich die Zentralregierung sich so wenig wie möglich in die Belange der einzelnen Provinzen einmischen wollte, mußten die einzelnen Provinzen die Geburtenkontrolle selbst in die Hand nehmen. Was aber war, wenn eine Provinz das gar nicht wollte? Nun, dann trat eben Verfassungsartikel 9 in Kraft. Das heißt, die Provinzgrenzen wurden eben trotz steigender Bevölkerungszahlen nicht erweitert, und deren Bewohner mußten selbst sehen, wie sie mit dem immer enger werdenden Raum und sinkender Lebensqualität zurecht kamen. Denn nie wieder sollte es so weit kommen, daß Menschengruppen, deren Lebensraum schwand, dafür andere Menschen überfielen und verdrängten.

 

Philosophie und Religion der Betaner

Kommen wir nun zu einer kurzen Darstellung der einzelnen Provinzen, wobei ich mit der kommunistischen Provinz beginnen möchte. Doch zuvor sollte noch die Religion der Betaner beschrieben werden, die im Gegensatz zu terranischen Religionen keinerlei Widersprüche zur kommunistischen Lehre beinhaltet.
Wie ja schon erwähnt, wurden betanische Kinder in der Schule schon von klein auf darin trainiert, möglichst alle Gehirnbereiche zu nutzen. Dies hatte natürlich einen enormen Fantasiezuwachs zur Folge, welcher sich sehr positiv auf alle Bereiche der betanischen Kultur auswirkte, sei es nun Literatur, Kunst, Psychologie, Religion oder Wissenschaft. Besonders die beiden zuletzt genannten gingen eine Verbindung miteinander ein, welche auf weniger fortschrittlichen Planeten im Allgemeinen völlig undenkbar wäre. Auf den zuletzt genannten Planeten (einschließlich Terra) ist es nämlich im Allgemeinen so, daß man eine Unterscheidung trifft zwischen den Gesetzen Gottes und den Naturgesetzen. Auf fortschrittlicheren Planeten (wie zum Beispiel auf Beta) dagegen sieht man hier keinen Unterschied.
Denn es ist ja so, daß es auf vielen Welten sogenannte heilige Bücher gibt, in welchen angeblich Gottes Gesetze stehen sollen. Und oft sind diese Bücher unterschiedlicher Meinung. Sollte es denn wirklich so sein, daß der Gott unseres Universums auf verschiedenen Planeten des Weltalls unterschiedliche Gesetze ausgibt? Oder gar auf einem Planeten Gesetze , welche dann nur für bestimmte Völker und Nationen zu gelten haben? Oder gibt es vielleicht doch Gebote, welche im ganzen Weltall gültig sind?
Ein Betaner würde nun antworten. "Natürlich gibt es solche Gesetze. Es sind die Naturgesetze und die stehen nun mal nicht in so genannten heiligen Büchern, sondern eher in Pysikformelsammlungen. Und alle intelligenten Wesen im All müssen wohl zwangsläufig und unabhängig voneinander die selben Naturgesetze finden. Und oft liegt die einzige Möglichkeit, diese Gesetze zu beschreiben, in der Sprache der Mathematik. Also müssen auch alle intellegenten Species unabhängig voneinander die selbe Mathematik entwickeln!"
Genau diese Tatsache wird übrigens auch benutzt, wenn intelligente Wesen sich zum ersten Mal begegnen und die Sprache der fremden Wesen kennen lernen wollen. Bei Menschen der selben Species ist das ja noch relativ einfach, weil man in etwa die selbe emotionale Struktur besitzt. Wenn sich jedoch artfremde Ausserirdische zum ersten Mal treffen, so fehlt im Allgemeinen diese gemeinsame Ausgangsbasis. So konzentriert man sich also zunächst einmal auf das, was man gemeinsam hat und das ist nun mal die Mathematik und die Physik. Was liegt also näher, als daß sich die Mathematiker und Physiker erst einmal ihre wichtigsten Formeln und Konstanten vorlegen und dann versuchen, heraus zu bekommen auf welche Art die Anderen diese universalen Gesetze ausdrücken.
Nehmen wir nur mal zum Beispiel "E=mc²". Dies ist eine für das Weltverständnis sehr wichtige Formel, auf welche zwangsläufig jede höher entwickelte Kultur stoßen wird. Nun ist ja die Sprache der Mathematik wesentlich einfacher als die menschliche Umgangssprache, auch wenn dies mancher terranische Schüler anders empfinden mag. Hat man aber erst einmal die einfachere Formelsprache der Mathematiker und Physiker entziffert, so ist dies schon mal eine gute gemeinsame Ausgangsbasis, um auch den wesentlich komplexeren Rest der Sprache kennen zu lernen.
Auf Beta glaubt man also an Gesetze, welche im ganzen Universum gültig sind. Und das sind perfekte Gesetze, das heißt sie sind nicht übertretbar. Gott übt also nur legislative Gewalt aus, und er hat es daher nicht nötig, mit Hilfe von exekutiver und judikativer Gewalt deren Einhaltung zu überwachen. Bleiben wir nur mal bei dem Beispiel "E=mc²" (E=Energie m=Masse c=Lichtgeschwindigkeit), was man auch in der Form "m=E/c²" schreiben kann. Das heißt im Prinzip nichts Anderes als daß einem beschleunigtem Körper Zusatzmasse aufgebürdet wird, welche sich durch E/c² errechnet. Und diese Masse wirkt bei höheren Geschwindigkeiten eben wie ein Bremsklotz, welche  ein Übertreten der Lichtgeschwindigkeit unmöglich macht! Gott sagt also nicht: "Habe ich euch nicht verboten, schneller als das Licht zu sein? Ab mit euch in den Höllenschlund, ihr unwürdigen Kreaturen". Nein, durch E=mc² ist dieses Tempolimit von vorne herein nicht übertretbar. Es ist für Materie ja noch nicht einmal erreichbar. Nur masselose Teilchen können sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen (also Lichtteichen zum Beispiel).
Der Gedanke übrigens, daß Gott übertretbare Gesetze erlassen könnte, wäre auf Beta nahezu Gotteslästerung. Aber wie steht es nun mit solchen Geboten, wie zum Beispiel  "Du sollst nicht töten", wird sich hier wohl mancher Terraner fragen. Auch hier hat ein Betaner eine einfache und klare Antwort. "Leider ist Töten schon erlaubt, denn wenn Gott nicht wollte, daß Menschen andere Menschen umbringen, so würde er es durch ein perfektes Gesetz verhindern. Für lebenswerte Gesellschaftsordnungen ohne Krieg, Terrorismus, Mord und Totschlag zu sorgen, ist eben Aufgabe der Menschen und nicht Gottes! Dafür hat aber Gott den Menschen ein leistungsfähiges Gehirn geschenkt, und wenn man dieses dann auch noch zu 100 Prozent nutzt, ist man durchaus in der Lage, selbst für eine bessere Welt sorgen." Und eine bessere Welt wird sich eben nicht schaffen lassen, solange Menschen immer wieder wichtige Teile ihres Gehirns blockieren, nur um in ihrer Umgebung akzeptiert zu werden.
Durch die Naturgesetze werden den einzelnen Species also Grenzen für den technischen Fortschritt gesetzt. Wenn Gott nämlich sagt: "Du sollst die Lichtgeschwindigkeit nicht überschreiten", dann kann keine Materie dieses Tempolimit überschreiten und daher auch  keine noch so technisch fortgeschrittene Art Raumschiffe bauen, welche schneller als das Licht sind.
Gottes Rahmenbedingungen erlauben den Menschen also keineswegs unbegrenzten Spielraum. Trotzdem wird zum Beispiel auf  Terra  technischer Fortschritt noch viele Jahrhunderte möglich sein. Aber das ist nur eine unbedeutende Zeitspanne im Vergleich zu den etwa 100 000 Jahren, in denen der moderne Mensch schon existiert, wobei dieser Zeitraum wiederum verschwindend gering ist im Vergleich zu den vielen Jahrmillionen, in denen Terra noch Leben beherbergen kann. Diese wenigen Jahrhunderte kann man auch vergleichen mit einem kurzen Windhauch, welcher bewirkt, daß eine offene Tür zuschlägt, wobei dieser Hauch nur eine kurze, turbulente Übergangszeit zwischen zwei stabileren Zuständen (offene und geschlossene Tür) darstellt. Nun empfinden allerdings die meisten Terraner einen Windhauch von wenigen Jahrhunderten durchaus als eine sehr lange Zeit. Erdbewohner sind es eben noch nicht gewohnt, so wie die Betaner, in etwas längeren Zeitkategorien zu denken und zu planen.
Wie könnte es nun aber aussehen, wenn dieser technologische Windhauch vorbei ist, die Menschen also an Gottes Grenzen stoßen?  Einerseits ist wohl anzunehmen, daß der Fortschritt nicht immer zum Wohle der Menschheit genutzt wird. Doch andererseits gibt es auch positive Aspekte. Wenn sich nämlich langsam das Ende des Fortschritts ankündigt, können die entwickelteren Industrieländer ihren Vorsprung an Know-how gegenüber den Entwicklungsländern gar nicht mehr weiter ausbauen und so haben letztere endlich die Chance, auf zu holen.
Irgendwann einmal (spätestens nach dem Abklingen des technologischen Windhauchs) ist also endlich der Zeitpunkt da, in dem alle Völker in einer perfekten hochtechnisierten Kreislaufwirtschaft leben, in der es keine Rohstoff- und Energieverschwendung mehr gibt (beziehungsweise gar nicht mehr geben darf!) und alle Völker gleich wohlhabend sind. Und da wohlhabende Menschen im Allgemeinen weniger Interesse am Kinderkriegen haben als arme Menschen, hat sich auch das Problem der Überbevölkerung von selbst erledigt. Wenn der technologische Windhauch also vorbei ist, ändern sich auch die Dinge nicht mehr so schnell und es kann sich  allgemein unter den Menschen endlich ein Gefühl der Stabilität einstellen. Sollte es dann auch gelingen, zum Beispiel durch den Bau von Aufzügen ins All, einem Großteil der Erdbewohner einen Blick vom Weltraum aus auf ihren Heimatplaneten zu ermöglichen, so könnte dies auch einen gewaltigen Einfluß auf die Psyche und das Denken der Menschheit haben. Denn den eigenen Planeten aus großer Höhe als gewaltige, weiß-blaue Kugel zu erleben, ist für jeden Menschen ein so extrem einschneidendes Erlebnis, welches ihn bis ans Lebensende prägen wird. Ein solcher Mensch ist danach eher geneigt, den Planeten und seine Bewohner als Einheit zu sehen.
Da zu dieser Zeit wohl schon längst der Kontakt zu den kulturellen Wurzeln der eigenen Völker verloren gegangen sein wird, kann sich als Ersatz dafür ein neues, planetares Heimatgefühl einstellen. Vielleicht wird man dann auch erkennen, daß es auf Dauer allein schon aus umweltpolitischen Gründen notwendig ist, die Einzelstaaten abzuschaffen, und durch einen einzigen Staat zu ersetzen. Eventuell könnte man im nächsten Schritt dann die Trennung nach Völkern endgültig aufgeben und die Erde, genau so wie Beta in Parteiprovinzen aufteilen, damit sich nach Möglichkeit jeder Mensch die Umgebung zum Leben aussuchen kann, die seinem politischem Geschmack am Ehesten entspricht.
Man kann es auch so sehen! Archaische Species sind eben wie die kleinen Kinder. Man lotet seine Grenzen aus und treibt ziemlich viel Blödsinn, bevor man schließlich doch erwachsen wird. Und wie kleine Kinder nun mal so sind, können sie sich durch ihren Leichtsinn auch schon mal in Lebensgefahr bringen. Kinder sind eben unselbstständig und erwarten allen Ernstes, daß ihre Eltern bezihungsweiseGott ihnen ein Paradies schenkt, anstatt es sich selbst zu schaffen. Spätestens dann aber, wenn wieder stabilere Verhältnisse einkehren, also Gottes Naturgesetze keine entscheidenen technischen Revolutionen mehr zulassen, wird eine Species im allgemeinen doch erwachsen. Denn  wenn man erst einmal in der Lage ist, alles zu tun ,was einem Gott erlaubt, kann man sich voll darauf konzentrieren, dem technischen Fortschritt auch wesentliche gesellschaftliche Fortschritte folgen zu lassen. Und als erwachsene Species wird man auch erkennen, daß es nicht immer sinnvoll ist, etwas zu tun, nur weil es erlaubt ist. Dann ist man auch endlich reif genug, um den Satz zu verstehen: "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott".

 

Die kommunistische Provinz

Wie könnte sich nun das Ende des technologischen Windhauchs auf das Wirtschaftsleben auswirken? Ein Terraner möge sich das mal an folgendem Beispiel verdeutlichen:  Da es inzwischen gelungen ist, Moleküle oder gar Atome als Speichereinheiten zu benutzen, sind nun keinerlei Fortschritte mehr in der Computertechnik zu erwarten. Das heißt zum Beispiel, wenn man sich in jungen Jahren einen Computer zulegt, so kann man ihn ohne weiteres 50 Jahre später seinen Enkeln vererben, ohne daß dieser auch nur im geringsten veraltet wäre. Das würde unter Anderem auch bedeuten, daß Enkelkinder wieder etwas von ihren Großeltern lernen könnten, genau so wie es auch schon einmal zu Zeiten vor dem technologischem Windhauch normal war!
Und nun stelle man sich vor, daß auch auf anderen Gebieten keinerlei neue technische Innovationen mehr zu erwarten wären, weil Gottes Rahmenbedingungen (also die Naturgesetze) ausgeschöpft sind. Dann wären wieder stabilere Wirtschaftsformen möglich, weil man nicht mehr ständig neue Produkte auf dem Markt anbieten müßte. Damit hätten auch weniger flexiblere Wirtschaftsformen, wie zum Beispiel der Kommunismus wieder eine Chance. Auf Terra haben sich ja die meisten kommunistischen Staaten wieder dem Kapitalismus zugewandt, unter anderem wohl auch deswegen, weil private Unternehmen im Allgemeinen wesentlich schneller und flexibler auf die ständigen Änderungen in Zeiten des technologischen Windhauchs reagieren konnten, als staatlich gelenkte Betriebe. Ein Privatunternehmer ist eben durch die Aussicht auf satte Gewinne wesentlich stärker dazu motiviert, neue Produkte auf den Markt zu bringen, als ein Wirtschaftsfunktionär, der so oder so nur sein festes Gehalt bezieht.
Auf Beta jedenfalls begann sich im 6. Jahrhundert langssam das Ende des technologischen Windhauchs abzuzeichnen und so begann man im Jahre 581(dem Jahr in dem die Geburt des 100 Millionsten Betaner gefeiert wurde) die Errichtung einer kommunistischen Provinz vorzubereiten. Zu diesem Zweck richtete man einen Spendenfond ein. Die dort eingezahlten Gelder wurden nun in den nächsten 180 Jahren von kommunistischen Finanzexperten intelligent angelegt und noch um ein vielfaches vermehrt. So hatte sich also bis zum Jahre 762 (dem Jahr, als die Kommunisten durch Einwanderung in ihre Provinz die Mehrheit erreichten) ein gewaltiges Vermögen angesammelt. Das brauchte man auch, denn die friedliche Einführung des Kommunismus war teuer! Denn man mußte nicht nur den Kapitalisten alle Betriebe abkaufen. Nein, die selben Unternehmer brauchte man ja auch noch, um die kommunistischen Funktionäre in modernes Wirtschaftsmanagment einzuweisen. Und diese Unterweisung ließen sie sich ebenfalls teuer bezahlen. Doch im Jahre 765 war es endlich so weit. Alle Betriebe lagen in staatlicher Hand und wurden von kommunistischen Managern geführt. Leider war dann auch das Vermögen, welches man innerhalb von 180 Jahren angesammelt hatte, in diesen 3 Jahren fast aufgebraucht.

Wie sieht nun das Leben in der kommunistischen Provinz aus? Nun, es muß für deren Bewohner alles so einfach und durchschaubar wie nur irgendwie möglich organisiert sein. Wenden wir uns also zunächst einmal der Wirtschaft zu und beschreiben diese, zugegebenerweise etwas einfacher, als sie in Wirklichkeit ist.
Ein Güd ist diejenige Menge an Güter und Dienstleistungen, welcher ein arbeitender Mensch im Durchschnitt während einer Stunde her zu stellen vermag. Dabei gibt es zwei Arten von Güds, nämlich die verkäuflichen und die unverkäuflichen Güds. Die Verkäuflichen werden von den A's bereitgestellt und die Unverkäuflichen von den B's. A steht hier für Angestellte und Arbeiter, während mit B die Beamten bezeichnet werden.
Die arbeitenden Menschen werden also entweder mit A oder B bezeichnet: Daneben gibt es natürlich auch noch eine nicht arbeitende Bevölkerungsgruppe, und das sind die C's. Es versteht sich wohl nun von selbst, daß man zunächst einmal als C geboren wird. Sobald die Geburt behördlich registriert ist, richtet der Staat dem Kind automatisch ein Konto ein und überweist darauf wöchentlich 100 Geldpunkte. Diese wöchentliche Grundüberweisung  steht dem kommunistischen Staatsbürger ein ganzes Leben lang zu und wird unabhängig davon ausbezahlt, ob er arbeitet oder nicht. C lautet also der Name der dritten Bevölkerungsgruppe. Das sind all die Menschen, welche man in unserer Welt als Kinder, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Rentner oder Erwerbsunfähige bezeichnet. Diese wöchentliche Grundüberweisung hat nun zur Folge, daß es keine B's in irgendwelchen Ämtern gibt, welche sich mit der Auszahlung von Sozialleistungen beschäftigen müssen, was zu einer erheblichen Steuerentlastung des kommunistischen Bürgers führt. Und dadurch, daß jedem Menschen von vorne herein eine ausreichende Grundversorgung garantiert ist, ergibt sich noch ein anderer positiver Nebeneffekt: Es brauchen keine unmotivierten C's von irgendwelchen Arbeitsämtern in die Betriebe geschickt werden und so kann man von vorne herein darauf achten, daß man dort nur hoch motivierte "Helden der Arbeit" einstellt.  Und ein "Held der Arbeit" sollte nicht nur gut arbeiten können, sondern auch teamfähig sein. Teamfähig sein heißt unter anderem auch, Verbindungen mit möglichst vielen Kollegen herzustellen um gemeinsam so viele Güds wie möglich zu machen. Die Produktion von Güds kann auch noch dadurch gesteigert werden, indem man neben den Verbindungen der Kollegen untereinander auch noch die Kommunikation zwischen den Abteilungen fördert. Man hat dann intelligente Betriebe, so wie ja auch ein Gehirn um so intelligenter ist, je mehr Verbindungen zwischen den einzelnen Zellen existieren. Und dadurch, daß man man zusammen arbeitet und nicht gegeneinander, kann nicht nur die Anzahl der produzierten Güds enorm gesteigert werden, nein es entsteht ein wesentlich angenehmeres Arbeitsklima und die Arbeit macht dabei sogar Spaß! So braucht man nur sehr wenige hoch motivierte B's und A's, um auch den nicht arbeitenden C's zwar vielleicht kein Luxusleben, dafür aber eine ausreichende Versorgung mit Güds zu garantieren.
Wie sieht nun die Steuerpolitik in der kommunistischen Provinz aus? Nun, die verblüffende Antwort lautet: Der kommunistische Staatsbürger braucht gar keine Steuern zu zahlen! In den kapitalistischen Provinzen kommt man ja um Abgaben nicht herum, weil dort die Güds zum größten Teil von privaten Firmen bereit gestellt werden. Und die geben ihre Güds beziehungsweise die Einnahmen aus dem Verkauf der Güds kaum freiwillig an irgendwelche B's, welche für den Staat arbeiten. Auch wird kaum ein Arbeitnehmer freiwillig dem Staat einen Teil seines Lohnes spenden. Doch da in der kommunistischen Provinz die Bereitstellung von verkäuflichen Güds fast vollständig in der Hand des Staates liegt, funktioniert auch die Verteilung von Güds an A's, B's und C's ganz ohne Steuern und zwar in etwa so:
Der Staat regelt einfach nur die Verteilung von Geldpunkten! Jeder arbeitende Mensch bekommt also pro Stunde Arbeitszeit (zusätzlich zur Grundüberweisung) noch einen Geldpunkt dazu ,allerdings multipliziert mit dem jeweiligen Lohnfaktor, überwiesen. Wenn also ein A 35 Stunden pro Woche arbeitet, bekommt er dafür (35 *5=) 175 Punkte Lohn + 100 Punkte Grundüberweisung = 275 Punkte.
Schauen wir uns doch mal einen kommunistischen Modellstaat mit 100 Einwohnern an: Dort gibt es 30 A's, 20 B's und 50 C's. Der momentane Lohnfaktor soll 5 betragen. Dann könnte die wöchentliche Bilanz des Staates etwa so aussehen.

  1 A arbeitet      35 Stunden,   erzeugt     35  (verkäufliche) Güds,   bekommt     275 Punkte
30 A arbeiten 1050 Stunden, erzeugen 1050  (verkäufliche) Güds, bekommen  8250 Punkte

  1 B     arbeitet   30 Stunden,    erzeugt      0 (verkäufliche) Güds     bekommt    250 Punkte
20 B    arbeiten 600 Stunden,  erzeugen      0 (verkäufliche) Güds, bekommen   5000 Punkte

  1 C     arbeitet    0 Stunden,     erzeugt                            0 Güds,   bekommt     100 Punkte
50 C    arbeiten    0 Stunden,   erzeugen                            0 Güds, bekommen  5000 Punkte

                                                                                           Gesamtpunktzahl : 18250 Punkte
                                                                                              verkäufliche Güds: 1050 Güds
                                                                                                 Preis pro Güd:  17.38 Punkte
                                                                                               
wöchentliche Kaufkraft von einem A:                                             (275/17.38=) 15.82 Güds
wöchentliche Kaufkraft von einem B:                                             (250/17.38=) 14.38 Güds
wöchentliche Kaufkraft von einem C:                                             (100/17.38=)   5.75 Güds
 

 

Ein Güd entspricht dabei in etwa der Menge an Güter und Dienstleistungen, welcher ein A durchschnittlich während einer Stunde Arbeitszeit bereitstellt. Selbstverständlich können zu den verkäuflichen Güds nur diejenigen gezählt werden ,welche im Inland zum Verkauf angeboten werden, also nicht die exportierten (also auch von ausländischen Touristen erworbene), wohl aber die importierten Güds. Auch durch Umtausch oder Auslandshandel eingeführte Devisen zählen zu den verkäuflichen importierten Güds, wenn sie dem kommunistischen Staatsbürger zum Umtausch angeboten wurden.
In anderen Provinzen können die Bürger noch zwischen mehreren Geldinstituten wählen. Das wäre einem betanischen Kommunisten allerdings viel zu kompliziert. In der kommunististischen Provinz hat also jeder Bürger sein Konto bei der einzigen staatlichen Bank. Bargeld gibt es natürlich keines mehr, denn das wäre ja auch viel zu kompliziert. Wenn man etwas bezahlen will, legt man an der Kasse einfach seinen Daumen auf einen Fingerabdruckscanner und der Betrag wird automatisch vom Konto abgebucht. Diese Art zu bezahlen wird auch von den meisten Besuchern aus anderen Provinzen geschätzt, für die vor der Einreise natürlich ein eigenes Besucherkonto eingerichtet wird. Denn man braucht bei diesem System keine Angst zu haben, Geld zu verlieren oder sogar beraubt zu werden! So überlegt man auch in anderen Provinzen, ein ähnliches System einzurichten.
Wie sieht es nun aus, wenn zum Beispiel Arbeitskräftemangel herrscht? Nun, dann erhöht der Staat eben den Lohnfaktor für die arbeitende Bevölkerung, was auf der anderen Seite allerdings zunächst einmal einer Kürzung von Sozialleistungen gleichkommt, wenn die Produktion gleich bleibt und mehr Güds an A's und B's verteilt werden (also weniger Güds für die C's übrig bleiben). Bei einer Erhöhung des Lohnfaktors auf  6 werden die 1050 verkäuflichen Güds also so verteilt:

  1 A arbeitet      35 Stunden,   erzeugt     35  (verkäufliche) Güds,   bekommt     310 Punkte
30 A arbeiten 1050 Stunden, erzeugen 1050  (verkäufliche) Güds, bekommen  9300 Punkte

  1 B     arbeitet   30 Stunden,    erzeugt      0 (verkäufliche) Güds     bekommt    280 Punkte
20 B    arbeiten 600 Stunden,  erzeugen      0 (verkäufliche) Güds, bekommen   5600 Punkte

  1 C     arbeitet    0 Stunden,     erzeugt                            0 Güds,   bekommt     100 Punkte
50 C    arbeiten    0 Stunden,   erzeugen                            0 Güds, bekommen  5000 Punkte

                                                                                           Gesamtpunktzahl : 19900 Punkte
                                                                                              verkäufliche Güds: 1050 Güds
                                                                                                 Preis pro Güd:  18.95 Punkte
                                                                                               
wöchentliche Kaufkraft von einem A:                                             (310/18.95=) 16.36 Güds
wöchentliche Kaufkraft von einem B:                                             (280/18.95=) 14.77 Güds
wöchentliche Kaufkraft von einem C:                                             (100/18.95=)   5.28 Güds

Obwohl die Grundüberweisung also gleich bleibt, wird durch eine künstliche Inflation (Preiserhöhung) die Kaufkraft der C's vermindert. Wenn dies allerdings zur Folge hat, daß wegen der Lohnerhöhung der A's und B's wieder mehr C's zur Arbeit motiviert werden und die Menge der verkäulichen Güds damit ansteigt, hat dies somit auch eine Preissenkung zur Folge und daher automatisch auch einen Anstieg der Sozialleistungen wie man bei folgendem Beispiel leicht nachrechnen kann!

 

  1 A arbeitet      35 Stunden,   erzeugt     35  (verkäufliche) Güds,   bekommt     310 Punkte
35 A arbeiten 1225 Stunden, erzeugen 1225  (verkäufliche) Güds, bekommen10850 Punkte

  1 B     arbeitet   30 Stunden,    erzeugt      0 (verkäufliche) Güds     bekommt    280 Punkte
20 B    arbeiten 600 Stunden,  erzeugen      0 (verkäufliche) Güds, bekommen   5600 Punkte

  1 C     arbeitet    0 Stunden,     erzeugt                            0 Güds,   bekommt     100 Punkte
45 C    arbeiten    0 Stunden,   erzeugen                            0 Güds, bekommen  4500 Punkte

                                                                                           Gesamtpunktzahl : 20950 Punkte
                                                                                              verkäufliche Güds: 1225 Güds
                                                                                                 Preis pro Güd:  17.10 Punkte
                                                                                               
wöchentliche Kaufkraft von einem A:                                             (310/17.10=) 18.13 Güds
wöchentliche Kaufkraft von einem B:                                             (280/17.10=) 16.37 Güds
wöchentliche Kaufkraft von einem C:                                             (100/17.10=)   5.85 Güds

 

Dadurch also, daß die ganze Produktion unter staatlicher Kontrolle steht, kann dieser auf einfachste Weise dafür sorgen, daß alle produktiven Menschen(also A's und B's) einen Teil ihrer Arbeitskraft dem Staate zur Verfügung stellen. Trotzdem wird eventuell mancher kommunistische Bürger das Bedürfnis haben, selbst ein Geschäft auf zu machen und alle Einahmen für sich zu behalten. Allerdings dürfte "Schwarzarbeit" nicht ganz einfach sein, denn in welcher Form möchte sich der "Kleinkapitalist" eigentlich bezahlen lassen? Es gibt ja nur eine einzige staatliche Bank und eine vollelektronische Währung. Und Überweisungen sind nur zwischen Bürger und Staat möglich. Das heißt, kein Bürger kann einem anderen Bürger Geld überweisen! So wäre die eine Möglichkeit, ein Geschäft zwischen einem Kleinkapitalisten und seinem Kunden abzuwickeln, ein Tauschhandel, und das ist in einer hochentwickelten Industriegesellschaft nicht besonders zweckmäßig. Außerdem weiß man ja ganz genau, daß wenn man zum Beispiel eine bestimmte Dienstleistung von einem staatlich angestellten A in Anspruch nimmt, man von einem Vollprofi bedient wird; von der Einfachheit der Bezahlung mal ganz abgesehen.
Andererseits aber könnte eine Bezahlung über Devisen möglich sein. Denn selbstverstädlich muß ein kommunistischer Staatsbürger auch die Möglichkeit haben, ins kapitalistische Ausland zu reisen und dazu muß er sich  mit ausländischer Währung eindecken können. Allerdings wird der Rücktausch von Devisen nur demjenigen gestattet, welcher vorher Devisen eingetauscht hat und das auch nur bis zu 100 Tagen nach dem Devisenkauf. Damit soll gewährleistet sein, daß ausländisches Geld nur sehr bedingt als Zahlungsmittel im eigenen Land tauglich ist und nur auf Reisen in andere Provinzen im vollem Umfange brauchbar ist.
Sollte trotz dieser widrigen Umstände vielleicht doch einmal ein Kleinkapitalist Erfolg haben, so kann man dies allerdings als Zeichen dafür werten, daß die verantwortlichen Wirtschaftsfunktionäre geschlafen haben, weil sie eine Marktlücke nicht selbst entdeckt haben. Denn die Funktionäre müssen ständig ermitteln (zum Beispiel auch durch Auslandsreisen), welche Güds gerade in Mode sind und die Produktion dementsprechend ausrichten. Denn die betanischen kommunistischen Staatsbürger haben schließlich die Möglichkeit zur Abstimmung mit den Füßen (was terranische Bürger in kommunstischen Staaten in der Regel nicht hatten), wenn Politiker und Funktionäre die Wünsche der Bevölkerung mißachten.
Jeder arbeitende Mensch soll also einen Teil seiner Arbeitskraft dem Staate widmen. Schließlich müssen ja auch B's und C's mit verkäuflichen Güds versorgt werden! Der andere Grund, warum man in der kommunsitischen Provinz möglichst alle Privatgeschäfte unterbinden möchte ist der, daß hier im Gegensatz zu den kapitalistischen Provinzen ein anderes Rechtsbewußtsein herrscht. Und zwar legt man hier Wert auf die Verhältnismäßigkeit der Einkommen. Im kapitalistischen Ausland ist es ja ohne weiteres möglich, daß geschickte Unternehmer oder Geschäftsleute das hundertfache (manchmal sogar noch viel mehr) Einkommen eines Durchschnittsverdieners beziehen. In der kommunistischen Provinz dagegen möchte man die Güds gerechter unter der Bevölkerung verteilen. Wenn also einer doppelt so viel arbeitet wie ein anderer soll er auch nur doppelt so viel bekommen. Und nur in Ausnahmefällen kann der Normallohn noch um den Faktor 2 bis 3 steigen, so zum Beispiel bei Ärzten oder oder ganz allgemein bei Menschen, welche sich in einer verantwortungsvollen Position befinden.
Im Gegensatz zu Terra ist den Kommunisten auf Beta der Begriff  "Klassenkampf" übrigens vollkommen fremd! Viele terranische Kommunisten wollen nämlich ständig Hass schüren, indem sie versuchen, den Massen einzureden, Ausbeuter und Ausgebeutete müßten sich im unversöhnlichen Haß gegenüber stehen. Auf der einen Seite beteuern sie dann Friedensliebe. Auf der anderen Seite haben sie keine Hemmungen, die Menschen zu Revolutionen und Kriegen anzustacheln, und sind im Extremfall sogar dazu bereit, einen Atomkrieg zu riskieren. Auf Beta dagegen sieht man alles ein wenig lockerer. Genauso wie auf Terra wollten die meisten Menschen eben ausgebeutet werden und so leben sie also friedlich und harmonisch zusammen mit ihren Ausbeutern in ihren  eigenen Provinzen. Menschen dagegen, die weder ausgebeutet werden wollten,  noch selber ausbeuten möchten, finden sich eben dann in der kommunistischen Provinz zusammen. Wo sollte da ein Problem sein?

Die ökologisch landwirtschaftliche Provinz

Im Jahre 792 wohnten 1,7% der Bevölkerung in der Ökologisch landwirtschaftlichen Provinz. Deren Vorgeschichte reicht allerdings bis ins Jahr 120 zurück. Doch kommen wir zunächst einmal zu den 3 Phasen, welche die betanischen Menschen in Bezug auf ihre Ernährung bis dahin durchlaufen haben.

1. Phase: Die Menschen  sind Jäger und Sammler. Das heißt, sie essen ausschließlich nur das, was die Natur ihnen zu bieten hat, also wild lebende Pflanzen und Tiere.
2.Phase: Es folgt die erste Trennung von Mensch und Natur! Man grenzt ein Stück Land ein und sorgt dafür, daß dort nur Menschennahrung wächst beziehungsweise sich nur Tiere aufhalten, welche ausschließlich für den menschlichen Verzehr bestimmt sind. Im Gegensatz zur 1. Phase ernährt man sich also nun in der Regel von Pflanzen und Tieren, die in der Natur gar nicht mehr vorkommen.
3.Phase: Es folgt die zweite Trennung von Mensch und Natur! Das heißt, man verzehrt nun gezwungenermaßen nur mehr synthetische Nanonahrung und ist nun gar nicht mehr auf die Natur angewiesen.

Im großen biologischen Krieg des Jahres -1 wurde der Betaboden ja so stark verseucht, daß dort nur mehr wenige widerstandsfähige Bäume und Sträucher wachsen konnten. Da nun zumindest den größeren Landtieren die Nahrung fehlte, gab es ein großes Massensterben, wovon beinahe auch die gesamte Menschheit betroffen war. Vorsorglich aber, als ob man geahnt hätte was kommen würde, hatte man schon vor der großen Katastrophe ein Lagerhaus eingerichtet, in dem man die Samen und Eizellen der meisten Tiere und Pflanzen in gekühltem,flüssigem Stickstoff aufbewahren konnte. Und da sich dieses Lagerhaus ganz in der Nähe der ersten Nanonahrungsfabrik befand  und man der Natur irgendwann einmal wieder auf die Sprünge helfen wollte, beschloß man, dieses Kühlhaus zunächst einmal weiterhin mit Energie zu versorgen. Allerdings hielt sich das Gift so hartnäckig im Betaboden, daß man erst viele Jahrzehnte später es wagen konnte, die alte Flora und Fauna von Beta wieder zum Leben zu erwecken. Als man dann schließlich im Jahre 116 die Geburt des 10 000. Betaners feiern konnte, hatte sich dann das Gift weitgehend neutralisiert, und so beschloß das Parlament, einen kleinen Feldversuch außerhalb der Kleinstadt Metropolis zu starten. Und es gelang in den darauf  folgenden Jahren tatsächlich, innerhalb eines kleinen Areals, die wichtigsten ausgestorbenen Pflanzen und Tiersorten, welche in Metropolis Klimaregion früher heimisch waren, wieder zum Leben zu erwecken und auszusetzen. Auf ähnliche Weise ging man dann auch nach jeder neuen Koloniegründung vor. Überall wo der Mensch in den nächsten Jahrhunderten seinen Fuß setzte, erweckte man die für die jeweilige Klimazone typische Flora und Fauna wieder zum Leben. Es passierte also das genaue Gegenteil wie vor der Zeitenwende. Damals wurde die Natur nämlich immer stärker zurück gedrängt, je mehr sich der Mensch ausbreitete.
Damit stellte sich nun auch die Frage, ob man wieder zur alten Ernährungsweise zurückkehren oder weiterhin auf Nanonahrung setzen sollte. Inzwischen hatte man sich ja an die künstliche Nahrung gewöhnt und auch aus umweltpolitischen Gründen war es ja durchaus sinnvoll, die vollständige Trennung von Mensch und Natur weiter aufrecht zu erhalten. Denn wenn man ein Feld eingrenzte und dort nur Menschennahrung anbaute, nahm man ja der übrigen Natur Lebensraum weg. Auch erzeugte das selbe Stück Land ein Vielfaches mehr an lebenswichtigem Sauerstoff, wenn sich dort anstatt eines Ackers dichter Wald befand. So gab es im Parlament von Beta einige Abgeordnete, die sich strikt gegen eine Wiedereinführung der Landwirtschaft aussprachen. Umfragen ergaben allerdings, daß nur knapp 2 Prozent der Bevölkerung sich vorstellen könnten, bei einer späteren Widergeburt eventuell in einer Bauernprovinz leben zu wollen. Diese dementsprechend geringe Fläche könne die Natur leicht verkraften und so beschloß das betanische Parlament im Jahre 120 also, erst mal 2 Prozent der bewohnbaren Betaoberfläche von einer Kolonieneugründung aus zu schließen. Somit wurden die Grenzen der ökologisch landwirtschaftlichen Provinz also schon fast 600 Jahre vor der  Bildung der ersten Grenzkommission abgesteckt. Da die betanische Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt aber noch viel zu gering war, wartete man noch bis zum Jahre 313 (500 000 Betaner), bis sich genug (ca. 9000) Kolonisten bereit fanden, um die für sie reservierte Bauernprovinz in Besitz zu nehmen, und um mit großflächigen Feldanbauversuchen beginnen zu können. Und jene Kolonisten mußten nicht nur herausfinden, wie man eßbare Pflanzen züchtete, sondern auch noch wie man sie schmackhaft zubereitete und nicht zuletzt sich selbst testen, ob "natürliche Nahrung" überhaupt noch für den menschlicen Körper geeignet war. Doch nach einigen Fehlschlägen klappte es tatsächlich. Aus uralten überlieferten Kochbüchern lernte man sehr schnell, wie man schmackhafte und für den menschlichen Körper verträgliche Gerichte zubereiten konnte. Allerdings schreckte man vor dem Verzehr von Tieren zurück. Man hatte statt dessen die Möglichkeit, Biofermenter zu benutzen. Das sind im Prinzip Brutkästen, in denen man praktisch Gras zu Fleisch umwandeln konnte, also künstliche Kühe so zu sagen. Es brauchten also keine Tiere mehr zu leiden, um Menschen mit hochwertigen Proteinen zu versorgen.
Wie gesagt, als dann die Grenzkommission im Jahre 698 zum ersten Mal zusammmen trat, standen ja die Grenzen der Bauernprovinz schon längst fest. Auch wanderten in dieses Gebiet fast nur Menschen, die bereit waren, sich auf "natürliche" Weise zu ernähren. Das Parlament dieser Provinz war also schon immer ein reines Bauernparlament und so war es praktisch keine Umstellung mehr, als im Jahre 792 die gemischten Parlamente offiziell auf ganz Beta aufgelöst wurden.

Die Provinz der Exoduspartei

Während man also in der Bauernprovinz einen Weg zurück zur Natur beschritt, verfolgten die Mitglieder der Exoduspartei (2,1 Prozent der Bevölkerung) genau entgegengesetzte Pläne. Hier war man überzeugt, daß die Geburt einer kosmischen Intelligenz bevor stand, daß also im Prinzip das Selbe passieren könnte, wie viele Jahrmillionen zuvor auch schon einmal. Zu jener Zeit machten sich nämlich nur wenige Wassertiere auf, um das trockene Land zu besiedeln. Dies war eine gewaltige Pionierleistung, denn auf dem Trockenen fehlte ja oft das lebensnotwendige Wasser. Doch wurde dieses Problem mit Bravour gelöst und trotz dieser lebensfeindlichen Bedingungen wimmelte es bald von Landlebewesen. Und nun glaubte man, noch einen Schritt weiter gehen zu können, also dauerhaft im All zu wohnen, wo es nicht nur kein Wasser sondern auch keine Luft zum Atmen gibt.
Als dann durch Zuwanderungen die Weltraumfreaks im Jahre 773 erstmals die Mehrheit erreichten, konnte das Parlament der Exodus-provinz auch schon erste konkrete Schritte in Richtung Besiedlung des Alls beschließen. Zunächst jedoch mußte erst einmal getestet werden, ob es überhaupt möglich war, daß Menschen in einer Umwelt überleben konnten, welche völlig von der Außenwelt abgeschnitten war. Zu diesem Zweck ließen sich etwa 1000 unerschrockene Wissenschaftler für 10 Jahre in eine riesige, luftdich abgeschlossene Glaskuppel einschließen. Um nämlich im All möglichst unabhängige Raumstationen zu errichten, mußte auf Beta zunächst einmal eine perfekte Kreislaufwirtschaft erprobt werden. Das heißt, man durfte keinerlei menschliche Ausscheidungen verschwenden, sondern alle Abfälle mußten mit Hilfe der Nanotechnologie wieder zu Menschennahrung, Wasser und Sauerstoff zurück verwandelt werden. Auch wenn jemand starb, so waren selbstverständlich herkömmliche Bestattungen tabu, denn das Material der Toten mußten ja wieder so schnell wie möglich dem Stationskreislauf zugefügt werden.
Parallell dazu begann man auch, einen fernsteuerbaren Robter auf den Betamond zu schicken, welcher in der Lage war, mit Hilfe des dort vorhandenen Materials Kopien von sich selbst her zu stellen. Die Entwicklung auf Beta war ja inzwischen so weit fortgeschritten, daß man in der Lage war, den technologischen Vorsprung der Natur auf zu holen. Das hieß unter anderem, daß nicht nur Lebewesen(also biologische Maschinen) sich vermehren konnten, sondern auch die künstlichen Maschinen der Menschen, wenn man dies für sinnvoll hielt. Das muß man sich allerdings nicht so vorstellen, daß es männliche und  weibliche Roboter gab, welche zu diesem Zwecke miteinander Geschlechtsverkehr betrieben. Man brauchte einfach nur fernsteuerbare Arbeitsroboter und da reichte eine ungeschlechtliche Vermehrung (Klonen) vollkommen aus.
So brauchte man also nur einen einzigen Roboter auf den Mond zu schicken, welcher in der Lage war, mit Hilfe des dortigen Materials sich selbst zu kopieren und auf diese Art hatte man durch ständiges Klonen bald Tausende Roboter auf dem Mond zur Verfügung, so daß die eigentliche Arbeit nun beginnen konnte. So wurden also erst einmal Fabikanlagen errichtet, zur Herstellung von Fertigbauteilen für riesige Raumstationen. Zur gleichen Zeit errichtete man eine Magnetschwebebahn auf dem Mond. Mit deren Hilfe konnte man dann diese Bauteile in den Mondorbit schleudern, wo sie dann von anderen Robotern zu Riesenrädern zusammengesetzt werden konnten. Nach ihrer Fertigstellung wurden sie dann von bestimmten Pendelfähren in den für sie vor gesehenen Betaorbit gezogen. Versetzte man diese Riesenräder danach in Rotation, so entstand dort eine nach aussen gerichtete künstliche Schwerkraft, ahnlich wie bei einer Wäscheschleuder und konnten somit von Menschen bezogen werden.
Der Versuch mit den 1000 isolierten Wissenschaftlern wurde im Jahr 783 erfolgreich abgeschlossen und damit war im Prinzip auch bewiesen, daß Menschen auch in rieseigen Raumstationen jahrzehntelang überleben konnten, ohne auf  Hilfe von außen angewiesen zu sein. Es stand nun also einem Wahlrecht für weltraumbegeisterte Technikfreaks im Prinzip nichts mehr im Wege. Um allerdings so viele Menschen wie möglich ins All zu befördern, war die bisherige Technik der Wegwerfraketen viel zu teuer. Also baute man zunächst mal eine Flotte von Raumfahrzeugen, um einen Pendelverkehr zwischen Mondorbit und Betaorbit zu installieren. Material und Treibstoff für diese Fahrzeuge kamen selbstverständlich vom Mond. Daraufhin begann man mit der Zusammensetzung eines massereichen betastationären Satelliten mit Hilfe von Mondmaterial. Diesen künstlichen Himmelskörper verband man dann mit Hilfe von langen Seilen mit der Betaoberfläche. Entlang dieser Seile konnte dann ein riesiger Förderkorb auf und ab gleiten, so daß man nun eine Magnetschwebebahn hatte, welche ins All und auch wieder zurück fahren konnte. War man an dem betastationären Satelliten angelangt, so übernahm eines der Pendelfahrzeuge den Weitertransport  zu einem anderen Orbit.
So konnte schon um 791  das erste Riesenrad zur Besiedlung freigegeben werden. Dies war dann auch das Geburtsjahr der kosmischen Intellegenz von Beta. Man war nun also in der Lage kilometergroße Strukturen im schwerelosen Raum zu errichten und zu bewegen. Und genau diese Fähigkeit brauchte man auch, wenn man den Planeten dauerhaft vor Killerkometen schützen wollte.
In den folgenden Jahrhunderten wurden dann noch 47 weitere Aufzüge ins Weltall erbaut, so daß der Planet Beta langsam aussah, wie ein kosmisches Kettenkarussell. Selbstverständlich betrieb man diese Aufzüge mit Hilfe von Solarenergie aus dem All. Ja, es wäre sogar möglich gewesen, überschüssige,solare Weltraumenergie auf den Planetenboden zu leiten und den gesamten Wasserstoffbedarf von Beta damit zu decken. Allerdings beschloß die Zentralregierung, sich vorerst hauptsächlich auf betanische Energiequellen zu verlassen.
Mit Hilfe dieses Karussells wurden bis zum Jahr 999 etwa 130 000 Anhänger der Exodus-Partei  ins All befördert, um dort dauerhaft zu wohnen. Es war dann nur mehr eine Frage der Zeit, bis alle Anhänger dieser Partei auswandern konnten und man ihnen keinen Boden mehr auf Beta zuweisen brauchte. Selbstverständlich konnten diese Einrichtungen auch von den Betabewohnern genutzt werden, um zum Beispiel Urlaub im All zu machen.
Die Bewohner der Exodusprovinz hätten alleine wohl kaum die nötigen Mittel gehabt, um ihre Projekte so schnell zu verwirklichen. Aber dank Artikel 3 und 10 der Verfassung von Beta mußten sie kräftig von der Zentralregierung unterstützt werden. Allerdings würde wohl einmal eine Zeit kommen, in der die Raumbewohner keine Unterstützung mehr von den Betabewohnern bräuchte, alleine schon deswegen weil die Raumbewohner dann wesentlich zahlreicher wären. Denn auf der Planetenoberfläche ist nur Platz für etwa 3 Milliarden Menschen, während sich die Nachkommen der wenigen Raumpioniere fast unbegrenzt lange ungehindert vermehren können.
Noch stehen ja im Jahre 1000 für die Bewohner der Exodus-Provinz nicht genügend Riesenräder zur Verfügung, um die ganze Bevölkerung zu evakuieren, aber es ist ja nur eine Frage der Zeit, bis es so weit ist. Um fast 60 Millionen Menschen in den Weltraum zu befördern, dazu braucht man schon ein paar Jahrhunderte.
Die Evakuierungsphase dauerte also bis etwa ins 14. Jahrhundert. Diese Evakuierung wurde allerdings in Absprache mit der Zentralregierung nach einem ganz bestimmten Plan durchgeführt. Man wählte nämlich nicht irgend welche beliebigen Bewohner aus allen möglichen Gebieten der Exodus-Provinz aus, sondern man ging so vor, daß Bewohner bestimmter Regionen geschlossen in den Weltraum abwanderten. Dies hatte nun also zur Folge, daß diese entvölkerten Areale von nachrückenden neuen Parteien in Besitz genommen werden konnten. So konnten also immer wieder neue soziale Experimente gestartet werden.

Die autofreie Provinz

Auch die Gegner des Individualverkehrs organisierten im Jahre 636 (Geburt des 300 Millionsten Einwohners) einen Spendenfond. Um nämlich jeden privaten Automobilverkehr zu unterbinden, mußte ja andererseits das Nah- und Fernverkehrsnetz so ausgebaut werden, daß man innerhalb weniger Stunden jeden Ort der autofreien Provinz mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen konnte. Und das war ja auch nicht gerade billig.
Als dann im Jahre 702 die Grenzen der autofreien Provinz feststanden, ging der Individualverkehr wegen der Zuwanderung von Autogegnern und der Abwanderung von Autofahrern ganz langsam zurück. Folglich waren immer mehr Menschen auf die Dienste der öffentlichen Verkehrsbetriebe angewiesen, wobei letztere ihr Angebot ständig verbessern mußten. Aber erst als dann die Partei der Autogegner 759 die parlamentarische Mehrheit ereichte, konnte man konkretere Schritte in Richtung Autofreiheit unternehmen. So baute man mit Hilfe der angesammelten Gelder aus dem Spendenfond das öffentliche Verkehrssystem noch zügiger aus und stellte es den Bürgern völlig kostenlos zur Verfügung. Dies hatte zwar zu Beginn die Folge, daß viele menschenleere Busse und Bahnen im viel zu kurzen Zeittakt durch die Gegend geisterten. Doch es währte nicht allzu lange, und ein großer Teil der verbliebenen Autofahrer stieg freiwillig auf die Öffentlichen um. Denn warum sollte man so viel Geld für die persönliche Mobilität ausgeben, wenn die öffentliche Mobilität vollkommen umsonst war. So ging der Autoverkehr bis zum Jahre 792 auf etwa ein Fünftel des Wertes von 702 zurück.
Das war dann auch das Jahr, in dem alle pluralistischen Provinzparlamente (Ausnahme: pluralistische Provinz) aufgelöst wurden. Also ging man nun daran, auch mit Sanktionen gegen das restliche Fünftel vor zu gehen. So wurde schließlich per Gesetz verfügt, daß bis zum Jahre 802 kein Provinzbürger mehr ein Auto besitzen dürfe. Die letzten Autofahrer hatten so also noch 10 Jahre Zeit, ihre Fahrzeuge in einer anderen Provinz zu verkaufen. Nach dieser Zeit wurden dann die verbliebenen Autostraßen entweder demontiert, oder als Fuß- bezeihungsweise Radwege genutzt. Auf manchen Trassen baute man auch zusätzliche Magnetschwebebahnen. Der Schienenverkehr wurde nämlich jetzt umso wichtiger und zwar aus folgendem Grund. Der Lieferverkehr innerhalb von Ortschaften mußte ja weiterhin mit LKW's bestritten werden. Der Verkehr außerhalb von Ortschaften wurde allerdings verboten. So mußte man also die Fahrzeuge auf die Bahnen verladen, um sie von Ort zu Ort zu transportieren.
Mag nun anderswo die Devise gelten: "Freie Fahrt für freie Bürger" so schätzt man dafür in der autofreien Provinz die neu gewonnene Ruhe und Stille. Besonders Besucher aus anderen Provinzen sind fasziniert, wenn sie ab den Abendstunden oder an Feiertagen (wenn also der Lieferverkehr also nicht mehr erlaubt ist) in den autofreien Städten völlig sorglos über die Straßen flanieren können.

Die Provinz der Amazonen

Auch auf Beta gibt es viele Frauen,  die von den Männern enttäuscht sind und am am liebsten ganz auf deren Gesellschaft verzichten würden. Was liegt also näher als auch ihnen eine eigene Provinz zu geben. Bevor man allerdings mit der Landzuteilung an radikale Feministinnen beginnen konnte, mußten noch einige verfassungsrechtliche Bedenken ausgeräumt werden. Denn wenn man eine Provinz nur für Frauen einrichtete, mußte man dieses Gebiet auch weitgehend für Männerbesuche sperren und das widersprach der üblichen Freizügigkeit, welche ja schon seit Jahrhunderten auf Beta herrschte! Beta's Verfassungsgericht gab allerdings im Jahre 701 doch grünes Licht für die Erichtung einer Amazonenprovinz, und zwar aus folgendem Grund: Die Amazonen stellten ja nur knapp 1 Prozent der Gesamtbevölkerung von Beta und dementsprechend klein müßte auch nur deren Provinzfläche ausfallen. Daher war es keine so große Einschränkung für die allgemeine Freizügigkeit auf Beta, wenn man diese Region für Männer sperrte.
Ab dem Jahre 702 konnte also die Einreise der Feministinnen beginnen. Vertreiben durfte man die ansässige männliche Bevölkerung (und Nichtamazonen) aus rechtlichen Gründen allerdings nicht. Doch Amazonen sind für Nichtamazonen keine angenehme Gesellschaft und so haben die meisten der ursprüngliche Bewohner in den nächsten 90 Jahren das Land freiwillig verlassen. Und  im  Jahre 792 durfte dann das reine Frauenparlament endgültig den Zuzug des anderen Geschlechtes verbieten!
Doch war es wirklich sinnvoll, wenn man die Amazonenprovinz vollständig für Männer sperrte? Schwangerschaften konnte man zwar leicht durch künstliche Befruchtung einleiten und durch ein spezielles Medikament war gewährleistet, daß nur Mädchen geboren wurden. Nur hatte wohl hin und wieder doch mal eine Amazone auch das Bedürfnis nach einer natürlichen Befruchtung. Und das eröffnete einigen Männern die Möglichkeit eines Sextourismus der etwas anderen Art. Man konnte zum Beispiel  Amazonen per Internet kennen lernen. Gelang es nun einem Mann, sich das schriftliche Einverständnis von mindestens 5 Amazonen einzuholen, so hatte er das Recht auf 20 Tage Urlaub pro Jahr in deren Provinz. In dieser Zeit mußte er natürlich ständig damit rechnen, immer wieder als Zuchtbulle gebraucht zu werden. Während also auf Terra Männer in ferne Länder reisen, um dortige Frauen als Ware zu gebrauchen, so ist es auf Beta genau umgekehrt. Dort verreisen die Männer, um sich selbst als Ware anzubieten.
Nicht immer allerdings haben die Kinder den selben politischen Geschmack wie ihre Eltern. Das gilt natürlich erst recht für die Amazonenprovinz. Denn bei einem großen Teil der Mädchen, die dort aufwachsen, entwickelt sich sehr wohl ein Interesse an Jungen. Aus diesem Grunde gewährte man den Amazonentöchtern das Recht auf Freizügigkeit schon während der Pubertät, also schon einige Jahre vor dem Erreichen der Volljährigkeit. So hatten sie also bei längeren Ferienaufenthalten im Ausland durchaus die Möglichkeit, Jungs kennen zu lernen. Wollten sie dann dort bleiben, hatte niemand das Recht, sie zu ihren Müttern zurück zu schicken. Aus genau diesem Grunde hatte die Amazonenprovinz auch die höchste Menschenaustauschquote. Auf der einen Seite wanderten ständig Feministinnen aus allen Provinzen ein, während auf der anderen Seite massenhaft die Töchter ihren Müttern davon liefen! Trotzdem blieb die Bevölkerungszahl bemerkenswert stabil, weil sich irgendwann einmal ein Gleichgewicht zwischen Ein und Auswanderung einstellte.

 

Die übrigen Provinzen

 

Vielleicht sollten hier noch ganz kurz die anderen Parteien vorgestellt werden, die eine eigene Provinz besitzen.

In der pluralistischen Provinz gibt es also ein Mehrparteiensystem, wie es auch schon vor dem großen Umbruch im 8. Jahrhundert üblich war.

In der marktwirtschaftlich orientierten Provinz setzt man auf das freie Unternehmertum. Hier muß jeder arbeitsfähige Bürger für sich selbst sorgen und nur in besonderen Fällen unterstützt der Staat in Not geratene Menschen.

Die Sozialdemokraten betreiben in ihrer Provinz zwar eine ähnliche Politik wie die Marktwirtschaftler. Nur greift der Staat hier etwas öfter in die Wirtschaft ein. Und auch für Sozialleistungen wird hier mehr Geld ausgegeben. Allerdings müssen sie dafür auch mehr Steuern zahlen als die marktwirtschaftlich orientierten Menschen.